Von den Drakensbergen nach Pietermaritzburg



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Eigentlich war für 9 Uhr ein Gemeindegottesdienst in Winterton geplant, das geht jetzt aber nicht mehr. Stattdessen nehmen wir uns nach einer schweren und schlaflosen Nacht um 9 Uhr Zeit für einen Gottesdienst nur mit unserer Gruppe. Oberhalb der Hotelanlage ist ein Konferenzraum, der nun als Kapelle umfunktioniert ist, mit einem weiten Blick hinaus auf die Berge. Wir singen, beten, weinen, erzählen über Franz-Josef…

Dann geht es kurz zur Lutherischen Kirche in Winterton. Wir treffen unsere Kontaktpersonen und besichtigen Kirche, Gemeindezentrum, die neue Urnengrabstätte und das im Bau befindliche Pfarrhaus. Weiter geht es etwa 15 Kilometer hinter Winterton auf das Land auf eine Farm zum Mittagessen. Im Nachhinein sind wir dankbar dafür: Weitab vom Trubel, Sonnenschein und warmer Wind, herzliche Gastfreundschaft, gutes Essen, viele deutschsprachige Kontakte aus der lutherischen Gemeinde, kleine, wechselnde Gruppen zum Gespräch. Das lenkt ab, führt aber auch zu tiefen Gesprächen – je, wie jeder es haben kann und braucht. Gute zwei Stunden bleiben wir hier. Das selbst gemachte Essen schmeckt herrlich, ein Wildschwein ist zu Bratwurst verarbeitet (kannte ich auch noch nicht), und zum Nachtisch gibt es Eis mit Erdbeeren.

Die „Südafrika-Gespräche“ sind eher „schwierig“, wie wir es gewohnt sind: die Farmer klagen auf hohem Niveau über die gewandelten politischen Verhältnisse. Sie haben Angst um ihr Land und ihre Heimat. Das, was die Schwarzen (zu Recht) jetzt aufholen müssen, erfahren die Weißen subjektiv als Ungerechtigkeit. In der Schule und im Sportverein gibt es zum Beispiel eine „Schwarzen-Quote“ unabhängig von der Leistung des Einzelnen. Aber wie sollen die Schwarzen, die in der Mehrheit sind, sonst überhaupt zum Zuge kommen!?

Fast widerwillig und wieder mit gemischten Gefühlen und vielen Fragen machen wir uns auf die Weiterfahrt nach Pietermaritzburg. Unterwegs machen wir in den Midlands Meander noch einmal Rast in einem Künstlerdorf, aber es hat sich stark bewölkt und ist sehr kalt geworden. Ich kaufe noch schnell eine Flasche Amarula für morgen. Im Bus gratulieren wir Hans zum 75 Geburtstag (das geht heute etwas unter und wird nachgeholt). Gegen 17 Uhr sind wir in Hilton, einem Vorort von Pietermaritzburg. Das Hotel ist ganz frisch und großzügig renoviert. Es hat nur drei Sterne, aber von den Zimmern und vom reichhaltigen Abendessen her könnte es auch mindestens einen Stern mehr haben! Am Abend gibt es noch Gespräche mit der Reiseagentur, ich sitze noch bis 23.30 Uhr am Computer und überspiele die letzten Berichte und Fotos ins Internet – und habe wieder eine unruhige Nacht…


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[Artikel Nr.2036 vom 23.07.2012, Autor mw]