Der vielleicht schönste und schlimmste Tag der Reise!



Fotos

Ich schreibe diese Rückschau am Sonntagabend (22. Juli), und stehe immer noch unter dem Eindruck vom plötzlichen Tod von Franz-Josef Mehring (siehe Link links). Es ist schon 23 Uhr, und ich will in aller Kürze den Tag skizzieren, der landschaftlich der bisher schönste war – und gleichzeitig so extrem vom Tod überschatten in Erinnerung bleiben wird.

Nach einer guten Nacht und einem guten Frühstück wollten wir eigentlich um 9 Uhr unsere Wanderung starten. Da bekommt Franz-Josef nach dem Frühstück einen Schwächeanfall, der für einen Laien auch wie ein kleiner Herzinfarkt aussehen könnte. Wir sind besorgt. Er will das nicht, muss sich aber hinlegen. Mit den vielen Personen um ihn herum sagt er immer nur: „Ihr macht mich alle krank“. Wir rufen einen Notarzt. Der soll in 20 Minuten da sein. Nach einer Stunde kommt ein Krankenwagen, der ihn mitnimmt zum Emmaus-Hospital. Ulla und Reinhard fahren mit.

Unsere Wanderung beginnt Richtung Doreen Falls. Dazu führt uns Wiseman, ein Zulu aus dem benachbarten Dorf. Er ist 33 Jahre alt und wird uns am Nachmittag auch in sein Zuhause einladen. Zuerst fährt uns der Bus ins obere Camp, dort bleibt eine Teilnehmerin schon im Cafe zurück. Vorbei geht es an den einfachen Behausungen der Bediensteten. Überall ist an den Hängen und im Tal die Vegetation durch Brand schwarz (wie später auch unsere Hosen). Der Aufstieg ist etwas mühsamer als zunächst angesagt, einige kommen hier schon an ihre Grenzen. Zudem hat jeder sein eigenes Tempo. Unterwegs bekommen wir von Thomas telefonische Entwarnung aus dem Krankenhaus: Der Arzt sagt, es sei kein Herzinfarkt gewesen, Franz-Josef ist schon wieder auf dem Weg ins Camp. Wir sind alle erleichtert.

An den Wasserfällen trennt sich die Gruppe. Etwa ein Drittel geht gemütlich zurück, zwei Drittel machen den steilen Aufstieg zu den Höhlenmalereien. Es bleibt ein Rätsel, warum sich die frühen Buschmänner dafür nicht eine Höhle im Tal ausgesucht haben… Zumal dort oben auch Bestattungen gemacht wurden. Auch ich komme jetzt an meine Grenzen. Bernhard übersetzt vom Englischen ins Deutsche, da Thomas mit der anderen Gruppe mitgegangen ist. Die Malereien sind schon sehr verblasst, im Museum waren sie besser zu erkennen. Aber es sind halt die Originale!

Der steile Abstieg ist nicht einfach, es geht über einen anderen Weg an der anderen Talseite wieder zurück, ist heiß und anstrengend. Die andere Gruppe sieht uns auf Höhe des Camps uns fährt uns entgegen. Bis zum Bus geht es noch einmal stein herunter.

Der Bus bringt uns zu unserem Camp. Dort gibt es Getränke und Sandwiches, dann haben wir eine Stunde Mittagspause. Franz-Josef geht es besser, er ruht sich in seinem Zimmer aus. Um 15 Uhr fährt uns der Bus in das nahe gelegene Dorf von Wiseman, der uns stolz durch das Zuludorf führt. Vorbei an den traditionellen Hütten, der Schule, dem Sportplatz. Eine Rinderherde kreuzt uns. Für 50 Rand wir der Zug extra an unserer Reihe von Fotografen vorbeigeführt. Für „beide Seiten“ ein Erlebnis. Dann geht zu den Hütten von Wisemans Familie, in der 21 Menschen leben. Alles ist sehr einfach. Wir kommen uns vor wie Voyeure, aber Kinder und Erwachsene scheinen sich zu freuen, für Wiseman ist es auch eine Möglichkeit des Verdienstes. Auf dem kleinen Gelände liegt auch das Grab von einer Schwester, die vor 5 Jahren mit 18 Jahren gestorben war – und schon zwei Kinder hatte. Viele Fotos werden gemacht, bevor es über die Straße wieder zurück zum Bus und damit zum Camp geht.

Gegen 17 Uhr kommen wir am Camp an. Dann die Aufregung: Franz-Josef liegt leblos im Bett. Die ersten versuchen eine Wiederbelebung, aber es ist zwecklos, er war schon zu lange ohne Puls und Atmung. Der zwischendurch bestellte Arzt wird wieder abbestellt. Dafür kommen die Sanitäter vom Vormittag und stellen offiziell den Tod fest, dann kommt die Polizei, die den Leichnam noch in der Nacht von einem eigenen Fahrzeug abholen lässt. Und das ganze Drumherum des Organisierens, Tröstens, des Schocks und der Trauer… Eine Katastrophe nach einem eigentlich sehr schönen Tag!

Das Abendessen gibt es in der Stille, wir setzen uns noch einmal zusammen, sprechen, weinen, fragen. In der Nacht kann kaum jemand richtig schlafen. Bei Ulla wechseln sich einige Frauen ab. Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß, die Gruppe übernimmt Verantwortung. Wie wird es weiter gehen?




Wanderung in den Drakensbergen auf einer größeren Karte anzeigen


Zuhause bei Wiseman auf einer größeren Karte anzeigen


[Artikel Nr.2034 vom 30.08.2012, Autor mw]