Israel 2011: Tempelberg (Datei 3359)

10. Tag: Montag, 11. April 2011



Fotos unter:

Facebook 1

Facebook 2

GPX-Datendatei mit GPS-Daten, die über Google-Earth eingelesen werden können. Damit kann der heutige Streckenverlauf dargestellt werden.



6 Uhr weckt mich mein Handy, 6.30 Uhr der automatische Weckruf, 6.40 Uhr bin ich beim Frühstück, dort alles wieder mit Pappe und Plastik und kein warmes Essen wie z. B. Rührei, 8 Uhr sitzen wir im Bus und fahren zum bekannten Misttor. Direkt neben der Kontrolle zur Klagemauer stellen wir uns aber für die Kontrolle zum Tempelplatz an. Wer Taschen mithat, muss sie durchleuchten lassen. Als Gruppe werden wir aber gesondert an der Warteschlange vorbei geführt und kommen sehr schnell durch die Kontrollen. Auf dem künstlichen Aufgang schauen wir zunächst hinunter vor die Klagemauer, wo lautstark und mit freudigen Gesängen eine Bar Mitzwa gefeiert wird. Oben kurz vor dem Eingang heben wir noch einmal die Plane etwas an, um nach unten auf die alte römische Straße schauen zu können. Beim Betreten des Tempelplatzes muss sich eine Frau noch etwas über die Schultern legen, die Ärmel waren zu kurz. Vorbei geht es an der al-Aqsa-Moschee und am Felsendom mit seiner auffällig vergoldeten Kuppel, unter der der Abrahamsfelsen verehrt wird und der einstmals das Allerheiligste des Tempels gewesen sein könnte. Beide Moscheen dürfen nicht besichtigt werden – auch wenn wir hinterher eine offensichtliche Touristengruppe entdecken, die als Moslems „getarnt“ in den Felsendom geschleust wird. Überall sind Brunnen, an denen die rituellen Waschungen vorgenommen werden können. Der Kettendom neben dem Felsendom ist eingerüstet und wird gerade renoviert. Bei den Rundgängen können wir das Goldene Tor von der Innenseite sehen. Auch einen schönen Ausblick auf den Ölberg und die Altstadt hat man von hier aus. Dann geht es durch das Chain Gate direkt Richtung Grabeskirche.

Obwohl wir erst um 10 Uhr angemeldet sind, kommen wir schon 45 Minuten eher in die Kreuzfahrerkapelle, durch die man durch die Sakristei kommt. Die Toilette ist hier, wie der deutschsprachige Franziskaner betont, nur für Priester (die anderen Toiletten in der Kirche sind aber sogar besser…). Wir haben einen schönen Abschlussgottesdienst für unsere Gruppe, morgen sind wir mit allen Münsteraner Pilgern zusammen in der Dormitio. Für den anschließenden Besuch im Heiligen Grab müssen die meisten sich nicht allzulang anstellen; ich verzichte dieses Mal darauf. Die Rückmeldungen sind ambivalent: einige meinen, der Besuch der Geburtstgrotte sei nachhaltiger gewesen. Viele insbesondere orthodoxe Pilger zünden sich vor dem Grab büschelweise Kerzen an und löschen die Flammen an einem extra dafür fest montierten Auslöscher, damit sie hinterher die am Licht des Grabes angezündeten Kerzen verteilen können. Anschließend besuchen wir in der Gruppe oder alleine die wichtigsten Stationen der großen Anlage. Inzwischen sind Massen von Touristen und Pilgern dazu gekommen. Trotzdem findet man doch immer wieder einige stille Ecken zum Gebet.

Nach der Besichtigung der Grabeskirche ist eine Mittagspause mit Falafel oder Gyros (6-8 Euro einschl. Getränk) in einem Imbissrestaurant (wie soll man es sonst nennen?). Dabei sind wir kurz vor Martin Burzlaff an einer offensichtlich bevorzugten Stelle. Jetzt gibt es die von manchen Frauen ersehnten 90 Minuten zum Einkauf im Basar. Ich mache statt dessen eine Runde alleine zum Damaskustor, dann die „Schnellstraße“ außen herum durch das Herodestor zum Löwentor, in der Hoffnung, schon bei der Annakirche der Weißen Väter anzukommen. Doch die haben Mittagspause. So gehe ich praktisch den ganzen Weg der Via Dolorosa hinaus zur Grabeskirche zurück, den wir später herunter gehen werden… So ist es denn auch ab 13.30 Uhr: Die Via Dolorosa rückwärts, begonnen mit der 9. Station bei den armen orthodoxen Armeniern, die keinen direkten Zugang zur Grabeskirche haben. Die Kleinen Schwestern Jesu an der 6. Station (Veronika reicht Jesus das Scheißtuch) haben leider auch Mittagspause, so dass wir die schöne, schlichte Kapelle nicht besuchen können. Unterwegs steigen wir auf das Dach des österreichischen Hospizes, um uns einen Überblick zu verschaffen. Die erste und zweite Station nutzen wir, um uns in den Kirchen hinzusetzen; manche sind schon jetzt etwas kaputt. Aber es steht noch die Annakirche als Pflichtprogramm auf der Liste. Nach einer Erklärung der Betesda-Teiche und der entsprechenden biblischen Geschichte besuchen wir den Ort der Geburt Marias in der Annakirche und singen in der Hallenkirche einen mehrstimmigen Kanon, dass es nur so nachhallt.

Durch das Löwentor erreichen wir unseren Bus, der die meisten zurück zum Hotel fährt. Lediglich sieben Teilnehmer(innen) gehen noch mit Dani etwa 90 Minuten durch den nördlichen Teil der Altstadt: jüdisches Viertel, dann über Teile der Via Dolorosa durch das Damaskustor wieder zu Fuß Richtung Hotel. Auf dem Rückweg nehmen wir noch zwei Flaschen Arak mit (50% Alkohol, „Der aus Ramallah ist der beste!“) und den Besuch des protestantischen Gartengrabes westlich des Damaskustores, in dem wir auch die Südafrikaner wieder treffen, die gestern Abend schon beim Abendessen im Hotel gesungen haben. Das ist hier mehr ein „amerikanischer“, evangelikaler Protestantismus, der selbst unseren Evangelischen eher etwas fremd sein wird. Kurz vor dem Abendessen kommen wir müde im Hotel an.

Um 17.50 Uhr geht es zu Fuß ein paar Straßen weiter in ein „Cafe“, in dem heute wohl mehrere Hundert Hotelgäste ersatzweise das Abendessen einnehmen werden (das, was in unserem Hotel wegen der beginnenden Paschagebräuche nicht möglich ist). Es ist wieder alles sehr eng, aber es gibt den obligatorischen Wein, der heute Abend auch kräftig fließt. Darum kann ich jetzt auch nicht mehr so viel schreiben… Nach der Rückkehr im Hotel erhalten wir auch unsere „Pilgerurkunde“.

Am Dienstagmorgen müssen die Koffer bereits um 7 Uhr vor den Zimmern stehen, um 8 Uhr müssen sie in den Bus. Zum Frühstück gibt es kein Brot mehr, sondern nur noch ungesäuerte Matzen. Um 9 Uhr haben wir die gemeinsame Messe in der Dormitiokirche auf dem Sionsberg, um 12.30 Uhr sollen wir am Flughafen sein (dazwischen müssen die zwei Falschen Arak im Bus geleert werden; wahrscheinlich haben wir das Hotel durch die Zwischenlagerung heute Nacht wieder unrein gemacht…). Wenn alles nach Plan geht, fliegen wir um 15.30 Uhr in Tel Aviv ab, kommen um 18.30 Uhr in München an und fliegen dort erst um 21.25 Uhr weiter Richtung Münster. Die Zwischenzeit werden wir hoffentlich gut nutzen können. Nach der Ankunft am FMO um 22.35 Uhr bringt uns der Bis wieder zurück nach Ibbenbüren bzw. ein Drittel der Gruppe wird auf anderen Wegen zurück nach Hause kommen. Die Zeit ist sehr schnell vergangen, war voll und anstrengend („Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier“), aber auch sehr schön und abwechslungsreich. Auch ich, der ich schon fünf Mal hier war, habe wieder viel Neues oder Altbekanntes in neuen Schattierungen gesehen.

Die Internetverbindung in unserem Hotel ist leider sehr unsicher. Ich weiß nicht, ob ich noch Fotos herüber laden kann…
[Artikel Nr.1859 vom 14.04.2011, Autor mw]