Israel 2011: Ölberg (Datei 3358)

9. Tag: Sonntag, 10. April 2011



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GPX-Datendatei mit GPS-Daten, die über Google-Earth eingelesen werden können. Damit kann der heutige Streckenverlauf dargestellt werden.



Pünktlich um 8 Uhr geht es vom Hotel aus los, wieder mit einem anderen Bus. Da jetzt die meisten Gruppen aus drei Hotels hier starten, ist es ein einziges Buschaos. Wir halten unterhalb der Basilika vom Garten Getsemani und gehen durch den Hain von acht alten Ölbäumen, die wohl 1000 Jahre alt sein können, in die 1924 eingeweiht „Basilika aller Nationen“ (durch Spenden aus der ganzen Welt). Im Zentrum ist der Todesangst-Christi-Felsen. Wunderschön auch die Alabasterfester im Halbdunkel.

Wieder zurück in den Bus, der inzwischen gewechselt wurde und uns jetzt aber bis zum Schluss erhalten bleiben soll. Damit unsere älteren Leute den Berg nicht ganz hinauflaufen müssen, fahren wir bis zur Kirche Dominus-Flevit, wo wir um 10 Uhr die Messe feiern sollen. Da wir schon etwas eher da sind, beginnt alles ganz flott, und wir haben die kleine Kirche mit dem wunderschönen Blick auf die Altstadt für uns alleine. Vorher muss der Franziskanerpater aus Californien noch die Hauskatze vom Priestersitz verscheuchen, die sich das nur ungern gefallen lässt! Als ich um 10.10 Uhr stolz an den Kollegen aus Vreden in der Sakristei abgeben möchte, stellt sich heraus, dass wir eigentlich schon um 9 Uhr die Messe feiern sollten und die andere Gruppe um 10 Uhr beginnen sollte. Das wussten wir aber nicht – oder Dani hat es nicht realisiert. Aber es klappt alles zeitlich noch. Hier noch einmal schöne Sonnenfotos mit dem Felsendom im Hintergrund und ein kurzer Blick über die Ausgrabungen mit den Ossuarien (Knochenkästen). Zu Fuß geht es den steilen Weg wieder hinunter. Zwischendurch besuchen wir einen der jüdischen Friedhöfe und lassen uns etwas von den aktuellen Bestattungsriten erklären. Der Bus bringt uns wieder hinauf auf den Ölberg zum Heiligtum der Himmelfahrt Christi, das jetzt eine Moschee ist. Hier kann man mit etwas Fantasie den Abdruck der Füße Jesu erahnen. Zu Fuß geht es ein kurzes Stückchen auf die Aussichtspromenade, die wir bereits von der gestrigen Nacht her kennen. Hier weht bei strahlendem Sonnenschein ein inzwischen stürmischer kalter Wind, der es schwer macht, dem Vortrag von Dani zu folgen. Darum sind die letzten Erklärungen im Bus. Vom Ölberg geht es zurück durch das Kidrontal und die alte Davidstadt etwas aus der Stadt hinaus. Im Kibbuz-Hotel Ramat Rachel können wir am Mittagsbuffet teilnehmen. Ich will mich schon mit einem Getränk begnügen, da steckt mir Dani einen Reiseleiter-Gutschein für ein komplettes Menü zu. So kommt zu dem israelischen dunklen Bier auch noch etwas mehr einschließlich Nachtisch dazu.

Gegen 14 Uhr erreichen wir die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem. Zunächst stoppen wir an der Gedenkstätte für die vernichteten jüdischen Gemeinden in Europa. Da hier „nur“ die Gemeinden mit mehr als 100 Mitgliedern aufgelistet sind, lesen wir zwar Lengerich, nicht aber Ibbenbüren. An einem Informationsschalter liegt ein Buch mit allen Gemeinden aus, dort finden wir dann auch Ibbenbüren aufgelistet. Durch die „Allee der Gerechten“, an der wir auch den Baum für Oskar und Emilie Schindler finden (und nur wenige weitere Namen aus Deutschland…) geht es weiter zur Wandskulptur „Vom Holocaust zur Wiedergeburt“, dann zur offiziellen Gedenkstätte für die Ermordeten in den Konzentrationslagern mit der Asche aus diesen Vernichtungslagern, und weiter zur Gedenkstätte für die Kinder, die von der Familie Spiegel gestiftet worden ist. Vier Kerzen spiegeln sich hier eineinhalb Millionen Mal für die ermordeten Kinder, dazu werden auf Hebräisch, Jiddisch und Englisch die Namen und Altersangaben der Kinder gesagt. Eine eindrucksvolle Installation, die uns alle still werden lässt. Danach haben wir 90 Minuten Zeit zum Besuch des pfeilartig aufgebauten Museums, dass durch die Geschichte der Vernichtung und des Aufbaus des Staates Israel führt – mit bedrückenden und entlarvenden Dokumentationen und Zeugnisse. Hier kommen Vielen die Tränen. Besonders gut ist die Ausstellung dort gemacht, wo Namen und Gesichter auftauchen, die den Terror und die Menschenverachtung nahe bringen. Die Gespräche im Innenhof drehen sich später noch oft um das Erlebte.

Der Bus bring und zu 17.15 Uhr wieder zum Hotel zurück. Als wir um 18 Uhr in den Speisesaal zum Abendessen kommen, ist einiges ungewohnt: es gibt nur Plastikgeschirr, und außer Wasser gibt es auch keine anderen Getränke. Als unsere Reiseleiterin zufällig in einem abgetrennten Nachbarraum sieht, dass es dort Wein gibt, beschwert sie sich beim Personal: das wäre zumindest unfair. Kurze Zeit später kommt ein deutschsprachiger Reiseleiter zu mir und macht mir fast Vorwürfe, dass ich als Pfarrer nicht Bescheid weiß (was in diesem Fall stimmt…). Ich schicke ihn erst einmal zur Reiseleitung weiter. Später stellt sich heraus: es handelt sich um einen jüdischen Professor aus Berlin, der gerade mit einer Gruppe vom Toten Meer gekommen ist. Heute beginnt bereits die Vorbereitungszeit auf das jüdische Passahfest, das in diesem Jahr zeitlich mit unserem Osterfest gefeiert wird. In unserem streng jüdischen Hotel wird dazu das gesamte Porzellan und Besteck ausführlich gereinigt und verschlossen, darum der Behelf mit dem Plastik. Außerdem gibt es keinen Wein. Es stellt sich aber auch heraus, dass das Personal einer anderen Gruppe offensichtlich regelwidrig den Wein gegeben hat (was nun leider aufgefallen ist). Es laufen Leute hin und her, es wird telefoniert. Das Ergebnis: Der Professor erklärt uns den Brauch, und das Hotel muss jedem von uns einen halben Plastikbecker voll Weißwein ausgeben… Außerdem bekommen wir den Hinweis, dass bei den Arabern gegenüber auch weiterhin Bier zu bekommen ist. Aber eine ganze Reihe unserer Leute haben sich sowieso schon verabredet, nach dem Abendessen in die Altstadt zu gehen. Wir können also vielleicht morgen mehr von unseren interkulturellen Bemühungen berichten. Und ich werde mich mehr um die jüdischen religiösen Feiertage kümmern müssen…


[Artikel Nr.1858 vom 14.04.2011, Autor mw]