Israel 2011: Totes Meer (Datei 3355)

7. Tag: Freitag, 8. April 2011



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GPX-Datendatei mit GPS-Daten, die über Google-Earth eingelesen werden können. Damit kann der heutige Streckenverlauf dargestellt werden.



Es ist halb elf, und ich sitze am Strand des Hotels Lot am Toten Meer. Lufttemperatur 24 Grad, Wassertemperatur 20 Grad(die Israelis sagen: es ist kalt). Mein Höhenmesser zeigt 391 Meter unter dem Meeresspiegel an. Die Sonne scheint, es sind nur wenige Wolken zu sehen, der Wind vom See her ist eher gefühlt frisch. Während fast alle Anderen gerade die erste Zeit im Salzwasser verbracht haben, sitze ich mit einigen Wenigen unter einem Sonnendach und nehme mir etwas Zeit für den nächsten Bericht. Alle haben inzwischen Spaß, lediglich ein Teilnehmer ist mit dem Gesicht ins Wasser gefallen; sofort kam eine Badeaufsicht mit einer Flasche Süßwasser, mit dem er sich die Augen waschen konnte. Wir haben Zeit bis 12.30 Uhr, dann ist das Mittagessen. Pauschalpreis 20 Euro: Handtuch, Duschen, Toiletten, Sonnenliegen, Süßwasserpool usw. inklusive. Nur fürs Internet muss ich wohl gleich extra bezahlen…

Für die Überspielung der Berichte und Fotos musste ich gestern Abend auf die Toilette gehen, um den besten Empfang des WLAN zu haben. Die Lärmschützer für die Ohren waren dringend notwendig, denn selbst wenn man alle Klimaanlagen abgeschaltet hatte, blieb ein lästiges lautes Lüftungsgeräusch. Einmal bin ich in der Nacht aufgewacht, ansonsten habe ich sehr gut geschlafen und fühle mich am Morgen wieder gesund. Darum nehme ich am frühen Frühstück teil. Das meiste ist wieder Selbstbedienung, einschließlich das frische Pressen von Apfelsinen. Der Kaffee wird an den Tisch gebracht. Als ich meine Internetzeit an der Rezeption bezahle, bekomme ich meine ersten Schekel als Wechselgeld zurück; ansonsten bin ich bislang gut mit Euro und Kreditkarte ausgekommen. Den Koffer habe ich vor die Zimmertür gestellt, er wird bis vor den Bus gebracht. Dann muss jeder seinen Koffer selbst identifizieren und sehen, dass er in den eigenen Bus kommt. Heute Morgen stehen drei Busse zur Abfahrt fertig vor dem Hotel.

Vom Hotel aus fahren wir einige Minuten bis zum Stadtrand. Unterwegs begegnet uns eine Fahrradgruppe. Arad ist bekannt als Ausgangspunkt für Fahrradtouren. Hinter einem Busparkplatz mit Aussichtsplattform auf die Negev-Wüste feiern wir heute unsere Messe weitgehend im Stehen und im wandernden Gespräch. Dann fahren wir die Strecke hinunter zum Toten Meer, insgesamt etwa 1000 Höhenmeter tiefer. Zwischendurch wird an den Felsen immer die Höhenangabe angezeigt. Kaum zu glauben, dass in dieser kargen Landschaft die vielen Schafe, Dromedare und Kamele, die uns zwischendurch begegnen, etwas zu fressen finden. In der Nacht muss es wohl etwas geregnet haben, aber es ist nur ab und zu ein Grashalm zu sehen. An den Straßenrändern stehen die für uns ungewohnten Warnschilder „Achtung querende Kamele“. Wir sind schon 200 Meter unter dem Meeresspiegel, als wir den ersten Blick auf das Tote Meer bekommen. Hier sind die Becken, aus denen die Mineralien gewonnen werden, für das diese Gegend so bekannt ist. Es soll sogar deutsche Krankenkassen geben, die hier Kuraufenthalte bezahlen…

Am See angekommen fahren wir in einen bewachten Bereich (mit bewaffneten Torwächtern), zu dem etwa acht Hotels gehören(ich kann vom Ufer nicht alles einsehen). An unserem Hotel werden wir empfangen und zu den Handtüchern und Umkleidekabinen geführt. Jetzt ist es kurz nach elf Uhr, und der Strand hat sich schon weiter gefüllt. Die zweite Gruppe aus Vreden ist nun auch mit dabei (wahrscheinlich hat der Gottesdienst länger gedauert…), unsere Leute gehen gerade zum zweiten Mal in die See. Schließlich soll es ja gesund sein und jung machen… Der Wind ist etwas frischer geworden, was gefährlich ist: viele werden sich hier schnell einen Sonnenbrand holen. Zufällig habe ich einen Pfarrbrief mit dabei, den wir nun gelesen auf dem Toten Meer fotografieren können. Die Internetverbindung in der Hotel-Lobby ist offen und kostenlos…

Gegen 14.30 Uhr fahren wir weiter Richtung En-Gedi. Vor der Oase lesen wir aus dem ersten Buch Samuel aus Kapitel 24 die Stelle, wo David an dieser Stelle den Gesalbten König Saul in einer Höhle verschont: bei den Steinbock-Felsen. Dani lässt den Busfahrer extra eine Runde um den Eingangsbereich des Naturparks fahren, damit wir auch ja die Steinböcke in allen Größen sehen. Dann geht es Richtung der Wasserfälle, eine Wanderung von etwa 90 Minuten einschließlich Rückweg. Es ist heiß und sonnig, wir kommen richtig ins Schwitzen. Unterwegs wieder Steinböcke und Klippdachse und viele Höhlen. Einige bleiben beim unteren Wasserfall zurück.

Dann geht es durch zwei Straßensperren, die wir unkontrolliert passieren dürfen, nach Jerusalem hinauf auf etwa 800 Metern über dem Meeresspiegel. Unterwegs fahren wir von der Autobahn ab und ein kurzes Stück zurück zu einem Aussichtspunkt auf das griechisch-orthodoxe Georgskloster, das schon seit dem 5. Jahrhundert existieren soll. Hier hat man auch einen herrlichen Blick auf die Schlucht des Wadi Al-Qelt, das von Jericho nach Jerusalem führt.

In Jerusalem angekommen fahren wir auf einen Parkplatz und Aussichtspunkt unterhalb der Universität und haben einen ersten Blick über die Stadt, die wir mit der relativ kleinen Altstadt in den nächsten Tagen nur spärlich besichtigen können. Zufällig hat die Reiseleitung hier auch noch eine Flasche Arak zur Hand…

Im Grand Court Hotel ist Hochbetrieb. Die Eingangshalle ist riesig. Den Begrüßungstrunk können wir uns selbst zapfen. Für die Zimmer gibt es Karten mit Magnetstreifen. Die meisten nehmen ihre Koffer selbst mit auf die Zimmer, damit es schneller geht. Ich bin im obersten (zehnten) Stockwerk untergebracht. Das Zimmer ist sehr ordentlich ausgestattet und sehr ruhig. Schon eine halbe Stunde später um 18.30 Uhr können wir zum Abendessen gehen. Die Wege sind relativ weit, sechs Fahrstühle sorgen aber für eine schnelle Verteilung. Im großen Speisesaal muss man sich erst wieder zurecht finden, wo die ganzen Essenssachen zu finden sind. Den Rotwein und die Gläser muss man sich selbst an einer Theke abholen, er wird dann auf die Zimmernummer aufgeschrieben. Das Essen ist sehr reichhaltig und schmackhaft. Im Foyer sind inzwischen die ersten Sabbat-Kerzen angezündet. An der Rezeption besorge ich mir ein Ein-Stunden-Ticket für das drahtlose Internet-Netzwerk, komme aber in meinem Zimmer nicht hinein. Da ich sehr müde bin, lasse ich die „Arbeit“ einmal liegen und gehe relativ früh ins Bett, während die Anderen noch im Foyer zusammen sitzen.


[Artikel Nr.1856 vom 10.04.2011, Autor mw]