Israel 2011: See (Datei 3351)

4. Tag: Dienstag, 5. April 2011



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GPX-Datendatei mit GPS-Daten, die über Google-Earth eingelesen werden können. Damit kann der heutige Streckenverlauf dargestellt werden.



Es ist kurz vor 16 Uhr. Gerade sind wir von unserer Tagestour zurück ins Hotel gekommen. Bevor der warme Tee fertig ist, trinke ich den Rest (von 187 ml!) des Messweins aus. Es ist kalt. Der ganze Nachmittag war verregnet, auf dem Golan kamen fast sintflutartige Regenfälle nieder…

Der Tag fing gut an. Ich hatte etwa fünf Stunden geschlagen, was eigentlich nicht schlecht ist. Diesmal war ich der zweite unserer Gruppe zum Frühstück, wir müssen aber noch warten, bis das Licht im Speiseraum angeschaltet wird. Die abwechslungsreiche Frühstückszeit ist ein guter Tagesanfang. Etwas verspätet kommen wir kurz vor 8 Uhr mit unserem Bus auf den Weg nach En Gev, dem alten Kibbuz an der Ostseite des Sees, in dem auch der spätere Bürgermeister von Jerusalem Teddy Kollek Mitglied war. Im Hafen steigen wir auf ein großes Boot, das bereits zum Schutz gegen Wind und Regen mit Seitenplanen abgedeckt ist. Aber wir haben Glück: Es bleibt trocken, auf dem See scheint zwischendurch sogar die Sonne. Kurz nach dem Auslaufen wird die deutsche Fahne neben der israelischen gehisst. In der Mitte des Sees (ein Drittel der Größe des Bodensees und nur 45 Meter tief – wovon zurzeit, wie es unser Guide immer wieder betont, gut 4,5 Meter Wasserstand fehlen!) hält das Boot an, und wir können in der Stille die Eucharistie feiern. Vorgelesen wird das Evangelium vom Sturm auf dem See (Markus 4). Nach eineinhalb Stunden wir bei warmen Sonnenschein und nach etwa zehn Kilometern am anderen Ufer im Kibbuz Ginosar angekommen. Dort kann man – wenn man Zeit hätte – das „Jesusschiff“ bewundern, ein altes, 2000 Jahre altes Schiff, das hier in einem extra dafür gebauten Museum unter Wasser konserviert wird.

Der Bus holt uns hier ab Richtung Norden. Wir fahren ein Stück der etwa 500 Kilometer langen Straße Nr. 90, die von Metulla an der libanesischen Grenze bis hinunter zum Grenzposten Taba an der ägyptischen Grenze führt. In Kiryat Shmona biegen wir nach Osten Richtung Hermongebirge ab, wo sich gerade Scharen (!) von Störchen den Himmel herauf schrauben. Wir überqueren zunächst den Senir-Fluss, den ersten der drei Jordanquellflüsse, und fahren dann an den Dan-Quellenvorbei. Der dritte Quellfluss ist der Hermon- oder Banyas-Fluss, der nun unser Ziel ist. Bei immer noch herrlichem Sonnenschein besichtigen wir die Panhöhle und die Ruinen von Augustus- und Pantempel sowie des Nemesis-Hofes. Hier kommen wir auch wieder mit der Gruppe aus Vreden zusammen. Einige füllen sich das frische Jordan-Quellwasser in ihre Wasserflaschen: die nächsten Taufen in der Familie stehen an… Und dann kommt die dicke schwarze Wolke auf uns zu, und der Regen setzt ein, der uns bis zum Hotel nicht mehr loslassen wird. Zunächst warten wir noch etwas ab, aber dann ist klar: Selbst wenn es gleich aufhören würde zu regnen, wäre die Wanderung den Banyas hinunter nicht mehr schön. So steigen wir mit Hilfe einer Regenschirmkette wieder in den Bus und fahren erst einmal zum Mittagessen in einen Drusen-Imbiss auf den Golan-Höhen. Als Entschädigung für die entgangenen Wasserfälle am Jordan machen wir mit Regenschirmen kurz Halt am Nimrod-Wasserfall. Leider sehen wir vom Hermon nur die untere Hälfte… Das Buffet für 8 Euro (einschl. Getränk und Kaffee) ist abwechslungsreich und gut, auch wenn ich auf meinen 10-Euro-Schein am Schluss kein Wechselgeld heraus bekomme… Vom Busfahrer bekommen wir unsere erste Flasche Arak spendiert, einen Anisschnaps, der mir am besten mit Wasser aufgegossen schmeckt. Inzwischen steht das Wasser in großen Pfützen auf der Straße und wir müssen beim Einsteigen in den Bus aufpassen, dass wir von den schnell vorbeifahrenden Autos nicht vollkommen nass gemacht werden.

Auf der Rückfahrt über die Straße Nr. 98 erzählt uns Dani immer die Sachen, die wir gerade nicht sehen können: libanesische Grenze, syrische Grenze, das alte verlassene Dorf Quneitra in der entmilitarisierten Zone (lediglich von einem Parkplatz aus können wir die UNO-Stellung sehen), zwei erloschene Vulkane usw. Fast verzweifelt halten wir an einer Bushaltestelle mitten auf den Wiesen an, um auf die Suche nach der Golan-Iris zu gehen, die nur hier blüht. Tatsächlich wird eine einzige Pflanze gefunden, beschert den Expeditionsteilnehmern aber nasse und dreckige Schuhe. Der Regen nimmt immer mehr zu, so stellt man sich den Beginn der Sintflut vor. Dani ist glücklich: zum einen freut er sich über das Wasser, das schon hier oben auf dem Golan die zahlreichen Wasserzisternen für die (seine) Landwirtschaft füllt; zum anderen meint er, wir hätten nun einen Grund, das Land Israel noch einmal zu besuchen. Wir steigen weder an der Golan-Weinkellerei in Kazrin aus (deren Weine wir jeden Abend trinken), noch an den Ruinen von Gamla oder Kursi. Dafür sind wir heute etwas eher im Hotel.


[Artikel Nr.1852 vom 06.04.2011, Autor mw]