Israel 2011: Tabgha (Datei 3350)

3. Tag: Montag, 4. April 2011



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GPX-Datendatei mit GPS-Daten, die über Google-Earth eingelesen werden können. Damit kann der heutige Streckenverlauf dargestellt werden.



Es ist 17 Uhr, und wir sind gerade von einem anstrengenden Tag wieder zurück im Hotel. Die Sonne scheint, und einige Teilnehmer gehen durch die Anlage zum See, um dort zu baden. Heute Morgen sah es noch ganz anders aus…

Ich höre den ersten Donnerschlag um 6.05 Uhr, Andere behaupten, es hätte schon um 5 Uhr gedonnert und geblitzt. Draußen regnet es, alles ist in Wolken gehüllt. Um kurz nach halb sieben bin ich der erste von unserer Gruppe im Speisesaal. Das Frühstück ist wie immer reichhaltig, inzwischen weiß ich, was ich wie in welcher Reihenfolge am besten besorge. Vier Teller, Tassen und Gläser sind es mindestens, bevor es losgehen kann. Der Kollege aus Vreden spricht mich an, ob ich ihm von der Brotvermehrungskirche eine Stola mitbringen könnte; am Sonntag hatte der Laden geschlossen.

Überpünktlich kommen wir heute Morgen um 8.15 Uhr vom Hotel los. Erster Halt ist die Brotvermehrungskirche in Tabgha, wo um 9 Uhr unser Gottesdienst draußen am Altar Dalmanutha angemeldet ist. Wir befürchten schon, wegen des Regenwetters in die Kirche zu müssen und damit den ganzen Touristen ausgesetzt zu sein. Aber die Gottesdienststelle direkt am See ist überdacht. Von einer der koreanischen Ordensschwestern bekomme ich einen Trolli mit allen Utensilien für die Eucharistiefeier und einen Schlüssel für das Törchen zum See. Der Weg ist neu gelegt, da nebenan eine große Baustelle ist, wo das Kloster erweitert wird.

Von den Baumstämmen als Sitzbänke schaut man über den Altar direkt auf den See. Es ist still. Über dem See fährt in größerer Entfernung ein Boot, auf dem offensichtlich auch Gottesdienst gefeiert wird. Die Lieder sind diesmal ausgesucht, Lesung und Fürbitten verteilt. Ein schöner und ruhiger Gottesdienst zu meinem Lieblingsthema „Essen“. 20 Minuten früher als wir müssten sind wir fertig. In der Sakristei korrigiert die Schwester meinen Eintrag im Zelebrationsbuch: wir haben heute den 4. April, nicht den 3. April. Ich bin mit der Zeit schon durcheinander. Die Stola soll man im Laden bekommen. Dort sagt man mir aber, dass diese Art schon seit langer Zeit nicht mehr hergestellt wird. Die Schwester will noch einmal nachfragen, aber den Kollegen werde ich wohl enttäu

schen müssen. Dann besichtigen wir die Brotvermehrungskirche mit den wertvollen Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert, unter anderem die Szene mit den Broten und den Fischen – einem Symbol auch für Israel. Im Vorhof der Kirche erregt ein Besucher Aufmerksamkeit, der die wertvollen Koifische im Brunnen auf dem Bauch liegend mit einer Unterwasserkamera fotografiert.

Zu Fuß und im Regen geht es dann die wenigen Schritte an der Straße entlang zur Primatskapelle, vorbei an den Ausgrabungen einer wahrscheinlich älteren Kirche an diesem Ort. In der Primatskapelle wird gerade Gottesdienst gefeiert, so dass wir die Geschichte vom „Felsen Petrus“ nebenan an einer weiteren überdachten Gottesdienststelle hören. Ein kurzer Gang zu See, die obligatorischen Fotos, Toilette für 1 Schekel, und der Bus holt uns an der Straße wieder ab. Nach kurzer Fahrt sind wir in Kafarnaum, der Stadt Jesu. Jetzt hole auch ich meinen Schirm heraus, da der Regen stärker wird. Wir gehen durch die Synagoge aus dem vierten Jahrhundert, die wahrscheinlich über der Synagoge gebaut wurde, in der auch Jesus betete. Da die Petrushaus-Kirche geöffnet ist (was in den letzten Jahren durch zahlreiche Gottesdienst feiernde Gruppen selten war), gehen wir zunächst dorthin, um von oben auf das Haus des Petrus zu schauen (eigentlich ja das Haus der Schwiegermutter des Petrus).

Es geht wieder in den Bus und ein paar Kilometer östlich zu einem Restaurant direkt am See, in dem es den obligatorischen Petrusfisch zu essen gibt. Ich verzichte auf den Leckerbissen, zumal er im See schon am aussterben ist, und nehme stattdessen Grillfleisch. Aber den Anderen (28 von 30) schmeckt der ganze oder filetierte Fisch ausgezeichnet. Mit einem Getränk dabei, Salaten, einer Dattel und einem Kaffee zum Nachtisch bezahlen wir dafür 20 Euro. In kürzester Zeit sind wir bedient und abgefertigt, damit wieder neue Gruppen hinzukommen können. Nach dem Mittagessen kommt die Sonne wieder heraus. Pullover und Jacken werden ausgezogen, und es geht hinaus an die Wiese und an den See, wo zahlreiche Klippdachse die Fotografen entzücken.

Mit dem Bus geht es anschließend nordwestlich weiter die Berge hinauf nach Safed, von 200 Metern unter dem Meeresspiegel bis auf etwa 800 Metern über dem Meeresspiegel, vorbei an den Ausgrabungen von Chorazin, mit herrlichen Ausblicken auf den See und die Golanhöhen. Safed oder Zefat oder Safad oder Zfat ist eine der vier heiligen Stätten des Judentums (neben Jerusalem, Hebron und Tiberias), auch bekannt als Stadt der jüdischen Mystik (Kabbala, letztens durch Madonna in aller Munde). Dani meint, die Stadt ist in den letzten Jahren immer „schwärzer“ geworden, d. h. es siedeln sich immer mehr ultraorthodoxe Juden hier an und bestimmen das Gepräge der Stadt, was für ihn, den „säkularen“ Juden nicht immer gut sei. Wir besichtigen zwei Synagogen, die aschkenasische Ari-Synagoge mit dem Menschenkopfähnlichen Löwen (Gesichter haben in einer Synagoge eigentlich nichts zu suchen) und die sogenannte „Blaue Synagoge“. Überall bekommen wir alles erklärt, in letzterer darf Dani sogar den Thoraschrein öffnen und die Schriftrollen erklären. Den anschließenden Rundgang durch die Haupteinkaufsstraße mit den vielen Kunst- und Andenkenläden verkürzen wir. Zum einen regnet es zwischendurch wieder stark, zum anderen kaufen die meisten doch nichts. Zefat ist fast Pflichtprogramm bei jeder Tour, für mich jedoch eher fakultativ. Sicherlich sind die Synagogen, die es hier in großer Zahl und verschiedenen Richtungen gibt, sehr interessant, aber ansonsten ist es eher anstrengend… Wir fahren die bekannte Strecke wieder zurück zum Hotel.

Da es heute nicht so viel zu schreiben gibt, kann ich mich um meine GPS-Daten kümmern. Ich nehme zu den Touren immer einen Datenlogger mit, mit dem man später die Wege z. B. auf Google-Earth verfolgen kann. Für die ersten drei Tage habe ich nun die GPX-Dateien auf die jeweiligen Tagesseiten gestellt, die sich in Google-Earth öffnen lassen (ein Exchange-Format). Interessanterweise ist der Flug mit der kleineren Maschine von Münster/Osnabrück bis Frankfurt abgebildet, nicht aber der Langstreckenflug in der größeren Maschine. Wahrscheinlich ist die Abschirmung dort stärker.

Jetzt ist es 20.30 Uhr, und ich bin einer der ersten, der vom Abendessen (hatte ich schon gesagt, dass es wieder üppig war…?) aufgestanden ist. Man merkt jetzt am dritten Tag: So langsam haben sich die Leute kennen gelernt, die Abläufe sind bekannt und machen keine Angst mehr oder verwirren. Selbst der Nachtisch ist noch in ausreichendem Maße vorhanden: in den ersten Tagen stürzten sich die Leute darauf und nahmen sich möglichst von allen acht Sorten etwas auf den viel zu kleinen Teller, um ja keinen Nachteil zu bekommen (wofür wir besonders unsere Nachbarn aus Nordbayern verantwortlich gemacht haben). Jetzt geht alles etwas ruhiger zu und das Küchenpersonal kommt nicht zum Ende. An unserem Tisch sind mit fünf Leuten schnell zwei Flaschen Rotwein (Marke Sion von den Golanhöhen) verteilt. Alles wird auch die Zimmernummer aufgeschrieben (auch der wireless internet service der B-Zone) – und wir sind mal gespannt, wie die Rechnung des Hotels am Donnerstag aussehen wird. Guide Dani hat noch schnell für die Messe am Dienstagmorgen auf dem Boot mitten auf dem See eine kleine Flasche koscheren Kidush-Wein besorgt. Hoffen wir, dass das Wetter uns keinen Strich durch unsere Planungen macht. Jetzt noch schnell (das Ticket läuft für 60 Minuten) Fotos und Bericht herüberspielen, Batterien für vier elektronische Geräte aufladen, Daten sichern und Speicherplatz freigeben – und vielleicht noch hinunter in die Hotelbar, um den Letzten Gute-Nacht zu sagen. Wir haben es schon gut hier!


[Artikel Nr.1851 vom 05.04.2011, Autor mw]