Israel 2011: Nazareth (Datei 3349)

2. Tag: Sonntag, 3. April 2011



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GPX-Datendatei mit GPS-Daten, die über Google-Earth eingelesen werden können. Damit kann der heutige Streckenverlauf dargestellt werden.

Ich habe auch nicht viel mehr schlafen können. Trotz aller Wetterprognosen beginnt der Tag mit viel Sonne und Tiergeschrei (wir sind uns später nicht sicher, ob es Vögel oder Katzen waren). Ich wecke mich um 6 Uhr, damit ich schon um 7.30 Uhr beim Frühstück bin. Jetzt habe ich mit den ersten Teilnehmern Zeit, vom reichlichen Buffet zu nehmen. Vieles muss erst erkundet werden: wo kommt der Kaffee heraus, was ist in den abgepackten Portionen (hier im streng koscheren Hotel ist fast alles nur auf Hebräisch) usw. Ungewohnt ist für mich/uns, dass es morgens nur „milchige“ Küche gibt, abends dann die „fleischige“. Aber die Auswahl ist riesig und ich gehe oft und nutze viele Teller.

Unser Busfahrer hat einen noch besseren Bus mitgebracht. Wir kommen nicht pünktlich um 8 Uhr weg. Die Gruppe muss sich noch finden… Außerdem haben einige ihre Kopfbedeckung vergessen. Das müssen wir in den nächsten Tagen wohl noch etwas üben. Ich bezahle meine 25 Euro beim Busfahrer, der uns dafür eine „Wasser-Flatrate“ bietet: so viele Flaschen Wasser, wie man will, auch für abends noch im Hotel. Der Vorteil ist, dass dann die Leute tatsächlich auch ausreichend trinken werden. Wir sollen 20 Gläser Wasser am Tag trinken!

Vor dem Jordan steigen wir aus dem Bus, um ihn zu Fuß zu überqueren. Am See entlang geht es wieder von 200 Metern unter dem Meeresspiegel hinauf in die Berge nach Nazareth. Dort steigen wir zunächst an der griechisch-orthodoxen Erzengel-Gabriel-Kirche aus und treffen zum ersten Mal die Gruppe aus Stadtlohn und Martin Burzlaff von unserem Reisebüro „Emmaus-Reisen“. Es wird nicht die letzte Begegnung an diesem Tag bleiben. In der Kirche wird gerade ein Gottesdienst gefeiert. Freundlich leitet man uns Touristen/Pilger um die Bänke herum zum Marienbrunnen, wo Maria damals ihr Wasser geholt haben soll.

Dann gehen wir zu Fuß weiter in die Stadt hinein bis zur Verkündigungskirche. Wir haben Glück: weil heute ein Wettlauf von Jugendlichen durch die Innenstadt ist, sind die Straßen weitgehend für den Verkehr gesperrt und wir haben die sonst sehr belebten Straßen für uns alleine. Vor der deutschen Mariendarstellung im Wandelgang um die Kirche ist wieder die andere Gruppe. Dort entdecke ich auch Pfarrer Bernhard Vögeling, der ganz früher einmal Kaplan in St. Ludwig war und Ibbenbüren kennt. Die Welt ist wirklich klein.

In der Oberkirche wird der normale arabische Sonntagsgottesdienst gefeiert. Die Kirche ist brechend voll, es sind sehr viele junge Leute da, auch Familien mit kleinen Kindern, die umherlaufen und von einem Franziskanerpater hinten in der Kirche freundlich begleitet werden. Allerdings sind draußen vor der Kirche auch eine Menge Jugendlicher, die die Messe offensichtlich anwarten… Wir besichtigen erst die Unterkirche mit der Felsgrotte und den Heiligtum mit der lateinischen Inschrift: „Das Wort ist hier Fleisch geworden“. Dann geht es durch die Oberkirche und am Gottesdienst vorbei nach draußen, wo noch alte Ausgrabungen zu sehen sind. Etwas weiter dann die Josefskirche, in der die Gruppe aus Stadtlohn gerade mit Stefan Jürgens die Eucharistie feiert. Auch da schlängeln wir uns vorbei in die Krypta mit dem judenchristlichen Taufbecken.

Die Messe in der Verklärungskirche ist gerade zu Ende, da gehen wir über die gesperrten Straßen Richtung „Kleine Brüder“, vorbei an dem Platz, auf dem vor einigen Jahren der Bau einer großen Moschee direkt vor der Verklärungskirche verboten worden war. Bei den „Kleinen Brüdern“ von Charles de Foucauld werden wir zur Messe erwartet. Hier, mitten in der Stadt, ist hinter Mauern ein kleines stilles Fleckchen mit einem himmlischen Garten und einem einfachen Kloster. Für uns ist die Kapelle reserviert, in der wir nun die Messe feiern. Hinterher sagt jemand: Da ist die Gruppe „angekommen“. Es wird teilweise sehr persönlich bei den Fürbitten. Und das Singen klappt sogar mehrstim

mig sehr gut. Nach der Messe sind wir schon relativ früh zum Mittagessen in einer arabischen Imbissbude an derselben Straße. Die meisten nehmen eine Salattasche mit Falafeln. Dann nimmt uns unser Bus wieder auf und fährt uns auf den Berg Arbel hoch über den See Genezareth. Von dort aus wandern wir etwa eine Stunde hinunter Richtung Magdala durch das Taubental. Zwischendurch ist der Himmel bedeckt, und ab und zu kommen ein paar Wassertropfen, aber wir haben auch Sonne auf dem teilweise doch recht steinigen Weg. Eine Teilnehmerin muss zwangsläufig nachkommen, da sie sich nicht vom Sitzgurt im Bus befreien kann. Erst der Busfahrer „löst“ das Problem, indem er den Gurt durchschneidet… Im Taubental müssen wir mehrmals einen Bach überqueren, der über den Weg gelaufen ist. Oben in den Felsen sind noch died Höhlen der jüdischen Widerstandskämpfer zu sehen, die sich vor den Römern versteckt hatten. Letzten Endes behielten die Römer die Oberhand, die sich teilweise von oben mit Käfigen vor die Höhlen herunter ließen und dann ihre Pfeile verschossen. Unten im Tal werden wir wieder vom Bus abgeholt und zum Hotel gefahren. Es war ein schöner und abwechslungsreicher Tag. Im Hotel habe ich heute das erste Mal etwas Zeit, um diese Zeilen zu schreiben und die ersten Bilder hochzuladen. Entgegen den ersten Äußerungen hat das Hotel doch WLAN, und damit ist die Anbindung an die weite Welt wieder gesichert. Heute Nachmittag habe ich bei offener Balkontür geschrieben, mit dem Blick auf den See. Einige andere sind durch den Garten an den See, einer hat schon eher unfreiwillig das Wasser getestet und meinte, es sei warm. Nach dem üppigen Abendessen (die Hausleitung hat allen ein Glas Wein spendiert, weil es gestern Abend erst sehr spät die Zimmer gab), haben wir uns noch einmal mit der Gruppe in einen der Tagungsräume im Untergeschoss gesetzt, um Absprachen zu treffen und etwas den Beginn zu reflektieren. Jetzt schreibe ich den Rest und plane etwas unseren nächsten Gottesdienst, der schon morgen früh um 9 Uhr an der Brotvermehrungskirche am See sein soll. Wir sind gespannt auf das Wetter: in den nächsten zwei Tagen soll es (oft) regnen…


[Artikel Nr.1849 vom 05.04.2011, Autor mw]