Israel 2011: Haifa (Datei 3348)

1. Tag: Samstag, 2. April 2011



Fotos unter:

Facebook

GPX-Datendatei mit GPS-Daten, die über Google-Earth eingelesen werden können. Damit kann der heutige Streckenverlauf dargestellt werden.



Der Bus soll um 3.45 Uhr von der Ludwigkirche aus Richtung Flughafen Münster/Osnabrück starten. Wann soll man da vorher schlafen!? Ich entscheide mich, um 20 Uhr ins Bett zu gehen und um 1.30 Uhr aufzustehen. Tatsächlich gelingt es mir dann, vier Stunden zu dösen. Danach ist an Schlaf nicht mehr zu denken. So komme ich zwar zu einem gemütlichen Frühstück, kann in Ruhe den Rest des Koffers packen und noch die letzten Arbeiten am Computer tun, aber es deutet sich jetzt schon an, dass dieser Tag unserer Reise ins Gelobte Land sehr

hart werden wird. Mit den ersten 14 Leuten unserer Reisegruppe können wir pünktlich starten. Fünf weitere steigen wenige Minuten später in Dörenthe dazu. Pünktlich sind wir gegen 4.30 Uhr am FMO, wo die restlichen elf Mitglieder unserer Reisegruppe in Eigenregie angekommen sind. Auch eine Frau der Reisegruppe aus Vreden, die zusammen mit uns die Flieger nutzen wird, ist schon da. Pfarrer Guido Wachtel kommt etwas später mit einem großen Bus Leute hinterher. Der Vorabend-Check-In war kurzfristig abgesagt worden. Wahrscheinlich muss das Gepäck nach Tel Aviv strenger kontrolliert werden. Die Abfertigung klappt schnell, auch wenn wir leider als Gruppe getrennt werden – anders als zuvor abgesprochen. Einen Fensterplatz bekomme ich auch nicht mehr, dafür einen vielleicht ähnlich guten Platz am Gang. Bei der Kontrolle unseres Handgepäcks passieren die ersten „Abenteuer“ des Tages. Ich werde mal wieder (!) in einen Nebenraum gebeten und es werden aus der Tasche Abstriche für einen Sprengstofftest gemacht. Angeblich liegt es nicht daran, wie ich meine Tasche gepackt habe, sondern es wäre reiner Zufall, wer jeweils herausgerufen werde. Eine Teilnehmerin hat Getränke mitgenommen, die sie nun vor der Sparre austrinken muss. Ein zweiter Teilnehmer hat ein Taschenmesser mit, das er nun per Post nach Hause schicken kann. Eine dritte Teilnehmerin hat Stricknadeln mit – die sie aber mitnehmen darf (in Frankfurt werden sie gar nicht erst gefunden oder moniert). Und ein weiterer Teilnehmer wird später ausgerufen und muss zu seinem Gepäck in den Keller, weil es in seinem Koffer piept: der Reisewecker war angesprungen… Pünktlich kommen wir vom FMO weg, außer uns Israeliten sitzt keiner mehr im Flieger nach Frankfurt. Zum Frühstück gibt es einen klebrigen Müsliriegel. Das wird bei mir bis 12 Uhr so bleiben…

In Frankfurt fahren wir wie gewohnt kilometerweit mit dem Bus durch die Flughafenstadt und müssen ebenso geschätzte Kilometer anschließend zu Fuß bis zum weiteren Abflugschalter zurücklegen. Erst verlassen wir die Bundesrepubik Deutschland an der Passkontrolle. Am Gate C 13 ist später ausschließlich ein Kontroll- und Abfertigungsbereich der Lufthansa für den Flug nach Tel Aviv vorgesehen – aber erst ab 8.15 Uhr geöffnet. Wir sind eine dreivierte Stunde zu früh da. Es fehlen Ess- und Sitzgelegenheiten an dieser Stelle, die wir mit der Gruppe zuerst ansteuern sollten. Und dann eine weitere Aufregung: eine Teilnehmerin stürzt schwer am Ende einer der langen, ebenerdigen Rolltreppen, die einem die langen Wege erleichtern sollen. Glück im Unglück: es ist zufällig ein Elektrowagen in der Nähe; Frankfurt hat eine medizinische Station mit Arzt und Röntgengerät; und der Flughafen geht routiniert auf solche Situationen ein. Einer der Organisatoren fährt mit auf die Krankenstation. Schnell ist die Diagnose klar: Beckenbruch. An eine Weiterreise ist nun nicht mehr zu denken. Der Sohn wird informiert, die Frau kommt in ein Krankenhaus in Frankfurt, eine Stewardess organisiert alles und storniert den Platz in der Maschine, zwischendurch kommen die Infos per Handy bei den Teilnehmern an, die schon in der Sicherheitszone sind. Das drückt natürlich etwas die Stimmung. Aber es ist jetzt alles getan, was man in dieser Sache tun kann. Wie wir später hören, hatte sich aus einer anderen Münsteraner Reisegruppe erst eine Woche vorher an einer ähnlichen Rolltreppe in Frankfurt einen Fuß gebrochen.

Die Kontrollen in Frankfurt sind sehr genau. Neben der Sicherheitsschleuse wird jeder Fluggast persönlich auf Metallgegenstände kontrolliert, auch die Schuhe. Ein Teilnehmer muss seine Schuhe sogar ausziehen. Aber alles ist in Ordnung. Um 9.30 Uhr beginnt das Boarding etwas später als angekündigt. Wir haben Plätze im hinteren Teil der großen Boeing, die etwa 300 Personen befördern kann. Dann gibt es doch noch eine halbe Stunde Verspätung: Der Deckel eines Wassertanks wäre nicht geschlossen und müsse überprüft werden, sagt der Kapitän durch.

Der Flug dauert etwa dreieinhalb Stunden. Das ist sehr lang, wenn man schon vorher todmüde war und im Flugzeug auch nicht schlafen kann. Essen und Getränke kommen erst relativ spät gegen 12 Uhr (wir sitzen halt im hinteren Ende). Rechts und links preisen die Stewardessen ihr Fischgericht an, ich bekomme auf meiner Seite Gott sei Dank die letzte Pouladenbrust – ich mag einfach keinen Fisch (und vorher offensichtlich auch Andere nicht). Später gibt es noch einen Cognac und Kaffee hinterher. Der Gangplatz ist nicht schlecht. Ich gehen einige Male „auf Toilette“, nur um etwas Bewegung zu haben. Schon jetzt sind durch die Fenster überall viele Wolken zu sehen.

Mit etwa einer halben Stunde Verspätung kommen wir in Tel Aviv an. Auch hier weite Wege durch das Flughafengebäude zunächst bis zur Passkontrolle. Nach einigen Fragen (Gruppe, wie viele Nächte) gibt es den oval-eckigen Visumsstempel, dieses Mal in Schwarz (das letzte Mal 2008 war er in Rot). Danach werden wir von einer Mitarbeiterin der Reiseagentur erwartet. Natürlich steht hinter dem Gruppenname „Heilig Kreuz“ der Name des Pfarrers, obwohl ich nur geistliche Begleitung bin und nicht die Reiseleitung. Das wollte ich eigentlich im Vorfeld vermieden haben… Die Koffer sind schnell da (wir haben die Vermutung, dass wir nur deswegen so lange zu Fuß durch das Gebäude geschickt werden, damit man in der Zwischenzeit rechtzeitig die Koffer bringen kann), mein Hartschalenkoffer (18,4 Kilogramm – ich hatte mich geärgert, die restlichen 1600 Gramm nicht ausgenutzt zu haben!) hat eine Beule bekommen. Relativ schnell (das Durchzählen ist jetzt bei so vielen Menschen und der noch immer ziemlich unbekannten Gruppe nicht ganz einfach) kommen wir durch die Zollkontrolle (welche für uns keine ist) und damit zu unserem Guide Dani Mire, der uns zügig zu unserem Bus nach draußen bringt. Wir haben ein Busunternehmen aus Nazareth mit einem arabischen Christen, der uns – soweit ich es in Erinnerung habe – auch nach Bethlehem begleiten darf (damit muss dann später zwar der Guide, aber nicht der Bus gewechselt werden). Die zweite Gruppe aus Vreden hat, wie wir erst später hören, an dieser Stelle etwas Pech, da sie einen Teilnehmer im Flughafen „verliert“. Somit kommt sie nicht in den Genuss des nun für uns abgeänderten Planes.

Es geht nämlich nicht direkt zum See Genezareth ins Hotel (was ich eigentlich erhofft hatte), sondern erst nach Haifa. Dani, der gebürtig aus Haifa kommt, will diesen Programmpunkt vorziehen, um später in Akko mehr Zeit zu haben. Eine gute Entscheidung, wie sich heraus stellt. Wir sehen alles, was geplant war, und der Blick auf das abendliche Haifa hat was. Zudem kommen wir ohne Parkprobleme an die Besichtigungspunkte, da kaum noch Touristen da sind. Es geht zunächst vom Flughafen die A 2 an der Küste entlang zur Hafenstadt, vorbei an den Aquädukten von Caesarea und am Karmelgebirge. Dann zuerst noch kurz in die Kirche Stella Maris hoch über der Stadt, die zurzeit renoviert wird. Unter dem Hochaltar ist eine Höhle, die dem Propheten Elija gewidmet ist. Vielen ist die Krippe rechts am Eingang noch mehr in Erinnerung. Vor dem Kloster ist eine Gedenk-Pyramide an die verstorbenen und ermordeten Franzosen, die 1799 vom türkischen Pascha getötet wurden – nachdem Napoleon die Stadt Akko belagert hatte. Nebenan kann man schon von der Bergstation einer Seilbahn einen schönen Blick auf die Stadt haben. Wir fahren dann aber noch etwas höher auf die Panoramastraße über dem Bahai-Tempel. Von hier aus überschaut man die Altstadt mit der „deutschen Straße“, das riesige Hafengebiet und die Neustadt. Trotz des diesigen Wetters können wir bis Akko und darüber hinaus bis zur Grenze zum Libanon blicken. Zum Schluss geht es noch zur Napoleonischen Kanone, die über allen thront und an das wechselnde Schicksal dieser Region erinnert.

Auf der Weiterfahrt nach Galiläa zum See wird auch Dani ruhiger. Es ist dunkel geworden und wir sind noch müder als todmüde. Außerdem haben wir durch die Zeitverschiebung noch eine weitere Stunde „verloren“. Gegen 21 Uhr sitzen wir im Hotel Kinar an der Nordostseite des Sees beim Abendessen. Die letzten jüdischen Familien mit ihren Kindern sind noch am Ausklang des Sabbats im Hotel, zwei andere Reisegruppen ebenso, es ist rummelig in dem riesigen Speisesaal. Wir kommen schnell an gutes Essen in reichlicher Auswahl am Buffet. Die Getränke können wir erst morgen auf unsere Zimmer anschreiben lassen, weil die Zimmer noch nicht fertig sind… Ich habe Glück und bekomme als einer der ersten mein großes Zimmer mit Balkon Richtung See. Alles ist in Ordnung, jetzt will ich nur noch schlafen. Gott sei Dank sind wir hier.


[Artikel Nr.1848 vom 05.04.2011, Autor mw]