Landbesetzer in Teresina (Datei 1536)

2004: Besuch in Teresina

Emails von Martin Weber nach Hause:

30. Juli 2004:

Ein erstes Lebenszeichen nach einer Reise halb um die Welt in 35 Stunden...

St. Ludwig hat seit etwa 14 Jahren eine Partnerschaft mit einer Pfarrgemeinde in Teresina im Nordosten Brasiliens. Nach dem letzten Besuch unserer Partner 2002 in Ibbenbueren sind wir nun mit 10 Personen fuer drei Wochen zu Gast in Teresina. Ich selbst bin bereits zum dritten Mal hier und wohne bei Padre Tony. Die Reise selbst verlief ohne Probleme und Unregelmaessigkeiten - aber es waren halt 35 Stunden "von Haus zu Haus". Und ich kann im Flugzeug nicht schlafen. Zunaechst von Muenster/Osnabrueck nach Frankfurt. Von dort in 12 Stunden (schrecklich!!!) nach Sao Paulo. Dort Schlage stehen bei der Passkontrolle. Und Schlage stehen bei der Gepaeckabfertigung. Dann in den naechsten Flieger nach Brasilia. 9 Stunden Aufenthalt...

Die Cousine von Monica Thiele, einer Brasilianerin, die in Ibbenbueren wohnt, hatte uns einen Deutsch sprachigen Reiseleiter besorgt, der uns langsam durch die Stadt fuehrte - normalerweise kann er das auch in drei Stunden...

Brasilia ist eine eindrucksvolle Stadt mit viel Architektur, kuenstlich aus dem Boden gestampft, funktionell, nichts fuer Fussgaenger, 2 Millionen Einwohner. Besonders eindrucksvoll fuer mich die Kathedrale und die "blaue" Boscokirche. Die Stadt liegt etwa 1200 Meter hoch, es weht ein kuehler Wind, und so merke ich den Sonnenbrand im Gesicht zu spaet...

Dann fliegen wir zwei weitere Stunden nach Teresina, wo uns unsere Gastfamilien bereits sehnsuechtig erwarten. Ich falle todmuede ins Bett.

Bei Padre Tony habe ich ein kleines "Appartement" - natuerlich mit schnellem Internetanschluss; der Kuehlschrank mit den ueberlebensnotwendigen Getraenken kommt einen Tag spaeter. Ein Moskitonetz fehlt wie ueberraschenderweise die Moskitos: Aber bei 39 Grad tagsueber fuehlen die sich hier zur Zeit auch nicht wohl. Die Umgebung ist laut. In der Hitze (nachts sind es nur 28 Grad...) kann ich auch nicht lange schlafen.

Am Mittwoch koennen wir uns ausruhen. Ich besuche die anderen fuenf Familien (bekomme dazu einen Fahrer mit), aber nur zwei "Paare" sind da; die anderen sind schon im Schwimmbad oder in der Stadt unterwegs. Abends sind alle Familien und Gaeste bei Tony eingeladen. Auch Erzbischof Dom Celso kommt hinzu. Ohne unsere Uebersetzer geht es nur schleppend in der Konversation weiter. Ich komme mit Haenden und Fuessen und Stichwoertern einigermassen klar, aber zu tiefsinnigen Gespraechen reicht das nicht.

Am Donnerstag ist Statbesichtigung angesagt, unterbrochen von einer langen Mittagspause. In der Hitze gehen selbst die Brasilianer nicht gerne los - wenn sie nicht (wie viele hier) muessen. Wir besichtigen eine Toepferei und den Sagen umwogenen Zusammenfluss der beiden grossen Rios Poti und Parnaiba, schliesslich zum "Troca-Troca", einem Troedelmarkt fuer arme Leute. Nachmittags geht es erst in eine Eisdiele, dann zur zentralen Kirche San Benedito und zu einem Kunsthandwerkszentrum. Freitag besuchen wir Padre Luiz Eduardo, dann geht es ueber Nacht etwa 700 Kilometer auf schlechter Wegstrecke suedlich nach Sao Raimundo Nonato zu einer beruehmten "Wallfahrt der Landlosen" - wenig Schlaf, viel Fussweg (was selbst fuer Brasilianer ein Abenteuer bedeuten wird!). Am Sonntag kommen wir wahrscheinlich wieder todmuede zurueck und koennen am Montag ausruhen. Dann kommt auch Roetger Schwartz hinzu, mein ehemaliger Diakonatspfarrer aus Datteln, der hier etwa 200 Kilometer noerdlich seit eineinhalb Jahren noch einmal "Vertretung" macht. Er nimmt mich von Dienstag bis Freitag mit zu sich nach Pirapemas, waehrend die anderen hier in Teresina die Projekte besuchen (kenne ich schon...). Freitag werde ich rechtzeitig abgeholt, um am Abend zur Weihe von sechs Priestern im Stadion (!) mit dabei sein zu koennen...

Es geht uns gut, es ist nach wie vor ein Abenteuer und Geschenk, hier zu sein. Viele Gruesse nach Deutschland!




9. August 2004:

Es ist Sonntagabend und wird gleich sehr schnell dunkel, fast ohne Daemmerung. Die anderen sind ueber das Wochenende nach Parnaiba an den Strand gefahren. Aber die lange Autofahrt wollte ich mir nicht noch einmal antun. Ausserdem kenne ich den Strand und mag nicht in der Sonne liegen...

Freitag vor einer Woche war eigentlich frei, aber wir haben Padre Eduardo in einer Aussenstelle besucht. In einer seiner neuen Kapellen, die fast immer auch als Unterrichtsraeume genutzt werden, hat er einen "Gelben Punkt" anbringen lassen. Der "Rote Punkt" von St. Ludwig hat bei ihm wohl einen nachhaltigen Einfluss ausgeuebt. Ausserdem haben wir ein kommunales Projekt besichtigt, das mit einfachen Zusatzstoffen Mehl zu einem naehrstoffhoeherwertigen Produkt verfeinert und der Bevoelkerung gegen Tauschwerte (z.B. Fruechte) anbietet.

Freitagabend ging es dann um 22 Uhr mit dem "Frio-King" (so haben wir unseren Bus umbenannt, weil uns die defekte Klimaanlage tiefgefroren hat!) Richtung Sueden und nach Sao Raimundo Nonato. Dort fand eine landesweite "Wallfahrt der Landlosen" statt. Die Fahrt dauerte ueber 10 Stunden, teilweise ueber durchloecherte Strassen. Ich konnte nicht schlafen und war am anderen Morgen genauso kaputt... Am Ortseingang wurden wir vom Bischof begruesst. Auf dem Marktplatz war die Monstranz zur Anbetung ausgesetzt. Eine Ausstellung informierte ueber die vorangegangenen "Romaria". Beim Mittagessen ist das Foto mit der Brahma-Bierflasche entstanden: Die werben damit, dass man das Bier am besten bei Minus 5 Grad trinkt... Abends gab es eine grosse Versammlung vor der Kathedrale - und spaeter noch einen Cai Pirinha. Am anderen Morgen fiel das Aufstehen zur eigentlichen Wallfahrt relativ leicht, da schon ab 4 Uhr Feuerwerke ballerten und Lautsprecherdurchsagen mit Musik durch die ganze Stadt gingen. Die Prozession dauerte eine Stunde, die Messe im Stadion (u.a. mit allen Bischoefen aus dem Staat Piauí) ueber zwei Stunden - da wurde es dann bei Sonnenaufgang auch schnell heiss (waehrend der Predigt habe ich mich dann eingekremt, und es wurde Wasser gereicht...). Danach haben wir den Nationalpark "Serra da Capivara" besucht, wo u.a. der erste Amerikaner ausgegraben worden ist. Es gab in hinreissens schoener Landschaft zahlreiche Original-Felszeichnungen zu sehen. Auf der Rueckfahrt hat sich dann der Busfahrer noch verfahren, so dass wir bestimmt 20 Kilometer auf einer Piste fahren mussten, die kaum mehr an eine Strasse erinnerte.

Am letzten Montag konnten wir uns dann von den Erlebnissen ausruhen. Mittags kam Roetger Schwartz mit Nonato dazu. Bei Roetger bin ich vor 22 Jahren in Datteln als Diakon gewesen. Vor zwei Jahren ist er nach seiner "Pensionierung" nach Pirapemas gezogen, etwa 400 Kilometer nordwestlich von hier. Da nimmt er mich am Dienstag mit hin. Ein Foto zeigt ihn hier in einem grossen Einkaufszentrum, wie er sich Sandalen kaufen will. Groesse 45: Da lachen die Leute hier nur, solche Latschen sind hier Mangelware. Abends gehen wir mit der Gruppe in eine Pizzaria, um uns das erste Mal austauschen zu koennen. Am Ende regnet es noch etwas.

Dienstagmorgen haben wir Projekte besichtigt. Zunaechst wurden wir im Pastoralzentrum von den versammelten Katechet(inn)en der "Paedagogischen Woche" begruesst. Dann haben wir Dona Remedios mit einer Gruppe Frauen besucht und in der "Offenen Schule fuer Strassenkinder" im Zentrum zu Mittag gegessen. Die Musikgruppe "Novo Meninos" hat jetzt schon die zweite CD heraus gegeben. Danach habe ich mich dann von der Gruppe getrennt und bin die fuenf Stunden mit Roetger und Nonato nach Pirapemas gefahren. Dort ist schon Meerresklima und die Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 60 und 90 Prozent. Da muss man sich erst wieder dran gewoehnen. Padre Rogerio, wie sie in hier nennen, lebt etwas einfacher: keine Klimaanlage, das Bier musste er erst noch holen. Und das Moskitonetz hatte einen grossen Riss - was ich aber erst am anderen Morgen an den vielen Einstichen gemerkt habe.

Mittwoch sind wir dann zu einer Aussenstelle gefahren, die nur ein Mal im Jahr besucht wird und die der Padre auch noch nicht kannte. Erst standen wir mit unserem Wagen vor einem verschlossenen Tor und mussten zu Fuss weiter. Dann konnte Gott sei Dank der Wagen nachgeholt werden - sonst waeren wir wahrscheinlich auf dem viel zu langen Weg in der heissen Sonne verdurstet. Ausserdem mussten wir mit einem Kanu ueber einen grossen Fluss setzen. Gott sei Dank brauchen wir nicht platzsparend stehen wie die anderen, sonst haette es wahrscheinlich ein Unglueck gegeben. Wir hatten Platz, um uns hinhocken zu koennen (nachdem das Wasser aus dem Boot herausgeschoepft worden war). Unsere Wasserverdraengung endete nur fuenf Zentimeter ueber der Wasseroberflaeche... Danach musste der Padre erst einmal Beichte hoeren und eine kleine Prozession auf dem Dorfplatz machen. An der Messe in der kleinen Kapelle nahmen etwa 70 Leute teil. Anschliessend wurden noch zwei Kinder getauft. Dann gab es fuer alle etwas Landestypisches zu essen. Zur Feier des Tages kam zusaetzlich zu dem gefilterten Wasser auch "Jesus" auf den Tisch, eine rosafarbene suesse Limonade.

Am Donnerstag haben wir viele Kapellen und kleine Schulen besichtigt. Roetger bezahlt einigen Lehrer(inn)en den "Mindestlohn" von 270 Reais (etwa 70 Euro) im Monat, um Kinder in den Bezirken zusaetzlich zu unterrichten. Fast in jedem Bezirk gibt es eine (kleine) Kapelle, in allen Kapellen finden auch Versammlungen, Katechesen, Schule statt. Abens kurz vor Sonnenuntergang fand dann im Innenhof der Prefeitura eine Jahresmesse fuer einen ermordeten Polizisten statt. Der Raubmord ist immer noch nicht aufgeklaert; es halten sich hartnaeckige Geruechte, dass der Praefekt selbst das Killerkommando beauftragt habe, die Gehaelter zu stehlen. Ich sitze an der Seite mit Witwe, Kindern und Angehoerigen. Auf der anderen Seite die ehemaligen Kollegen; selbst aus der Landeshauptstadt Sao Luis sind Vertreter gekommen, auch von der Militaerpolizei. Roetger spricht in der Predigt die vielfaeltigen Formen von Gewalt an und zeigt das Kreuz mit dem von einer der Kugeln weggeschossenen Korpus: Jesus wird auch da immer wieder neu gekreuzigt, wo Gehaelter nicht ausgezahlt werden und die Schulspeisung der Kinder vorenthalten wird. Hinterher bedankt sich die korrupte Buergermeisterin fuer die schoenen Worte. Es wird sich nichts veraendern, ihre Familie beutet das Dorf schon seit ueber 20 Jahren aus...

Freitagmorgen treffen wir noch Maria Detert, gebuertig aus Epe, von Haus aus Agrar-Ingenieurin. Sie wohnt in einem neuen Haus und Bildungszentrum in der Naehe von Pirapemas und begleitet mit Unterstuetzung des Bistums Muenster die Kooperative, die der Vorgaenger von Roetger Schwartz, Ludger Bomers (jetzt sein Nachfolger in Datteln), gegruendet hat. Da habe ich auch noch einmal den Ziegenbock fotografiert, der jetzt, da ich dies schreibe (am Sonntagabend), wohl schon zu Ehren der Hauseinweihung sein Leben beendet hat... Nachmittags bringt mich ein Motorista aus Teresina wieder zurueck. Ich entscheide mich, nicht am Abend an der Priesterweihe im Stadion teilzunehmen und das Wochenende zu Hause zu bleiben.

Die anderen muessen am Samstagmorgen schon um 7 Uhr starten, um in der Naehe von Parnaiba an den Strand zu kommen. Ich habe die Tour schon einmal mitgemacht. Teresina ist eine der wenigen Landeshauptstaedte, die nicht am Meer liegen (darum auch so arm). Piauí hat aber etwas Meer im Norden. Den muessen die Leute hier unbedingt immer zeigen. ein Gemeindemitglied hat ein schoenes Haus direkt am Strand, wunderschoen gelegen. Heute ging es wohl den ganzen Tag mit einem Boot durch das Delta des Flusses Parnaiba. Ich habe die Fahrt vor fuenf Jahren mitgemacht. Traumhaft. Man kann am Ende der Fahrt vom Suesswasser ueber die Duenen (habe ich mir buchstaeblich damals die Fuesse verbrannt, so heiss war das da) ins Meerwasser gehen. Montagabend kommt die Gruppe wieder zurueck (dann bich ich ausgeruht...).

Gestern Mittag waren wir mit drei italienischen Priestern beim Alt-Erzbischof Dom Miguel eingeladen, einem heiligmaessigen Mann, den ich unbedingt noch einmal wieder treffen wollte. Dann habe ich fuer drei Zeitungen zwei Berichte geschrieben - sind sind mit Fotonachbearbeitung auch locker drei Stunden gewesen...

Heute Morgen habe ich in der Fruehmesse um 8 Uhr hier in der Hauptkirche konzelebriert. Dann haben wir einen der 11 Geschwister von Padre Tony im Krankenhaus besucht, wo er im Sterben liegt. Am spaeten Mittag wollten wir einfach "auswaerts" essen, fanden aber erst im dritten Restaurant Platz: Heute ist "Vatertag" und alle Vaeter gehen wohl mit ihren Familien essen (das ist anders als bei uns...), es war ueberall brechend voll. Ja und jetzt sitze ich hier (es ist inzwischen dunkel) und werde das ein oder andere Emailfach voll machen...

Dienstag bis Donnerstag sind ale auf die Projekte aufgeteilt und arbeiten da mit. Donnerstagabend haben wir ein Treffen mit allen Leuten, die wir schon mal bei uns in Ibbenbueren zu Gast hatten. Die letzten Tage bis zum 18. August sind dann vom riesigen Gemeindefest in Planalto (einem armen Stadtteil) und den zahlreichen Abschiedsfeiern gepraegt. Waehrend die Haelfte der Gruppe dann nach Hause fliegt, fahren zwei unserer Frauen noch fuer eine Woche an den Strand von Sao Luis. Ich werde mich einem Lehrer und einer Lehrerin des Comenius-Collegs Mettingen anhaengen und noch je eine Woche nach Belem und Manaus fliegen (das ist Ende und Anfang des Amazonas). Das wird bestimmt noch einmal spannend werden.

Viele Gruesse nach Deutschland. Wie ich sehe, ist es dort auch recht heiss. Versucht dann mal das Bier auf -5 Grad zu trinken und an uns zu denken...

Alles Gute, viele Gruesse von den anderen!




18. August 2004:

Jetzt bin ich nur noch wenige Stunden in Teresina. Drei Wochen sind um! Und ich weiss nicht, ob ich in den naechsten zwei Wochen noch meine gewohnte Kommunikation mit der restlichen Welt haben werde... In der letzten Woche waren die anderen 9 auf vier Projekte verteilt und sollten dort drei Tage mitarbeiten. Das war etwas schwierig (was soll man schon als schlecht Brasilianisch sprechender Deutscher in einer Schule tun...), so dass es auch das ein oder andere private Nebenprogramm gab.

Montag - die anderen waren noch nicht vom Strand in Parnaiba zurueck - konnte ich eine Banken-Besichtigungstour machen. Ich kenne jetzt jeden Geldautomaten in Teresina! Aber erst die fuenfte Bank in einem Einkaufszentrum wollte mir mit meiner (internationalen) MasterCard Geld geben. Dienstag habe ich dann die "Offene Schule fuer Strassenkinder" im Zentrum der Stadt besucht und das "Lar de Misericordia", ein Haus fuer Krebskranke. Abends hatten wir ein sehr intensives Treffen mit den "Veteranen": Allen Brasilianern, die wir schon einmal nach Deutschland eingeladen haben.

Mittwoch habe ich die Familie "meines" Fahrers Lucidio besucht. Dann wollte er mir unbedingt den Zoo zeigen, der eher ein weitlaeufiger Park ist. Nur am Wochenende ist hier der Baer los... Nun hatten die Tiere mindestens so mit der Hitze zu kaempfen wie ich. Danach ging es zum Mittagessen in das "Lar da Fraternidade", einem Haus fuer Aidskranke. Abends waren wir bei Sousano eingeladen, der an diesem Tag Geburtstag hatte. Das liegt direkt hinter meinem Haus; aber es wurde am Schlus erst telefoniert, bis ich die zehn Meter zu Fuss zurueck gehen durfte.

Donnerstag habe ich erst den benachbarten Kindergarten von Alto da Graca besucht, mit der Kirche nebenan. Dann ging es zur "Casa de Zabele", einem der wenigen Maedchenprojekte. Dort waren Lea, Mareike, Franziska und Marianne untergebracht. Die Maedchen studierten gerade neue Taenze fuer eine oeffentliche Praesentation ein und wollten laufend fotografiert werden. Ich fotografiere ja wirklich sehr viel (wenn ich hier morgen frueh gehe, bleiben etwa 2500 Bilder als Kopie auf dem Computer...); aber die Leute freuen sich in aller Regel auch, wahrgenommen zu werden und bedanken sich vielmals fuer ein Foto. Am Nachmittag bin ich dann mit Raquel (einer unserer Kochfrauen) und dem Lucidio die 70 Kilometer nordoestlich von Teresina bis Campo Maior gefahren, um ihre Familie dort zu besuchen (verheiratet, zwei Kinder, kommt in der Regel nur einmal im Monat nach Hause... sie freute sich also doppelt ueber diesen Ausflug). In ihrem Viertel wurden wir in jedes Haus gefuehrt - und ich musste natuerlich wieder viel fotografieren. Eine 87-jaehrige Frau schenkte mir anschliessen vor Freude zwei ihrer zehn Kokosnuesse! Freitagmorgen wurde ein sehr wichtiger Programmpunkt dazwischen geschoben. Wir fuhren etwa 20 Kilometer suedlich von Teresina zu einer Stelle, wo von etwa 70 Leuten Land am Strassenrand illegal besetzt worden ist. Die Familien hatten ihre Huetten auf dem 25 Meter breiten oeffentlichen Streifen neben der Strasse errichtet, es ging aber um den Grund dahinter. Es gibt hier eine kirchliche Organisation, die Obacht auf nicht-bewirtschaftetes Land hat. Das kann dann unter bestimmten Bedingungen enteignet werden. Darauf spekulieren die Leute hier, die dafuer unter Umstaenden fuer Monate und Jahre in allereinfachsten Verhaeltnissen ausharren muessen, bevor die Ansprueche gerichtlich geklaert sind. Da uns ein bekannter Journalist begleitete, freuten sich die Leute doppelt ueber unseren Besuch und die Oeffentlichkeit.

Mittags um 12 Uhr war dann die "Messe am Dreizehnten", ein Monatsgottesdienst zu Ehren der Muttergottes von Fatima (und Pfarrpatronin). Die Kirche war brechend voll. Abends hatten wir dann unsere zweite Messe im Bezirk Planalto und konnte anschliessend noch etwas am Pfarrfest teilnehmen.

Samstag war ein Informations- und Ausruhetag in "Carfarnaum", einem Erholungszentrum etwas ausserhalb der Stadt. Die Informationen ueber die Erzdioezese, die Pfarrgemeinde, die Kommune und die kirchliche Gewerkschaft waren sehr anstrengend und geballt - besonders fuer unsere beiden Uebersetzer(innen). Aber es gab auch Churrasco und Swimmingpool. Der Tag wuerde etwas ueberschattet durch den toedlichen Verkehrsunfall eines jungen Padres, ueber den ale sehr betroffen waren. Hier gibt es sowieso nur gut 60... Abends dann wieder zwei Messen, in der Hauptkirche und in Ininga, dem einfachsten Bezirk hier. Vor fuenf Jahren, als ich hier war, wurde die Kirche gerade begonnen; jetzt war es schoen, in der fertigen Kirche - allerdings hier nur mit wenigen Leuten - zu feiern. Spaet abends dann noch "politische Gespraeche" bei einem Plantagenbesitzer.

Sonntag relativ ruhig, Churrasco bei Diakon Roberto, abends wieder Messe - fast schon ein Abschied. Da haben wir dann auch Gruesse vorgelesen, die unsere Gemeinde vorher in Deutschland aufschreiben konnte.

Gestern - Montag - wieder vlles Programm: Begehung einer weiteren Landbesetzung hier in der Naehe. Und Treffen mit Kindern in unserem Projekt der "Offenen Schule fuer Strassenkinder in Fatima". Sehr ausfuehrlich mit Power-Point-Projektion und vielen Visionen fuer die naechsten Jahre. Abends habe ich dann schnell noch einen Zeitungsbericht nach Ibbenbueren geschickt, den ich darueber hier anfuegen werde. Nachmittags haben wir dann Renato zu Hause besucht, am Rande der Stadt. Schliesslich waren wir zu einem Landestypischen "Tanzabend" einladen, so richtig etwas fuer mich... Die anderen sind allerdings bis fast 2 Uhr morgens gebieben!

Heute morgen ging es zunaechst noch einmal in die Schule nach Ininga und in ein Internat, dann auf eine Fazenda etwas ausserhalb der Stadt zum Ausruehen. Dann musste ich noch meine zweite Koechin zuhause besuchen. Wieder durch alle benachbarten Haeuser und viele Fotos. Am Abend kam noch der ein oder andere Abschiedsbesuch. Jetzt ist es schon wieder fast 21 Uhr - um 5 Uhr muss ich wieder rauss, da wir um 6 Uhr am Flughafen sein sollen (inzwischen ist unser Abflug schon in der Internetausgabe der Ibbenbuerener Volkszeitung abruefbar...). 5 Leute fliegen dann mit laengerem Aufenthalt in Brasilia (wird von der Laggenbeckerin Monica Thiele, gebuertig aus Brasilia, orgnisiert!) wieder zum FMO - Ibbenbueren. Franziska und Marianne fahren abends mit dem Autobus noch eine woche nach Sao Luis zum Baden. Und ich fliege mit Gerborg Meister und Bernd Lobgesang vom Comeniuskolleg Mettingen zunaechst fuer eine Woche weiter nach Belem (Ende Amazonas) und dann noch eine Woche nach Manaus ("Anfang" Amazonas). Da ist es genauso heiss wie hier, aber doppelt so feucht (heute war 89% angesagt...). Ich bin mal gespannt, weiss aber nicht, ob die Handys funktionieren oder ich an einen Internetanschluss komme... Es waren drei intensive Wochen hier, mit vielen neuen Erfahrungen und viel Herzlichkeit bei den Brasilianern! Viele Gruesse nach Ibbenbueren und darueber hinaus!

P.S. Gerade kommt mein Gastgeber Tony herein und zeigt einen Brief aus Deutschland, der gerade heute angekommen ist: Das "Kindermissionswerk" hat unsere Sternsingererloese von gut 3200 Euro um 500 Euro auf 3700 Euro aufgestockt und den Betrag an ihn fuer die Arbeit mit Strassenkindern ueberwiesen. Ein gutes Timing... Hier sind das etwa 13700 Reais. Ein "Mindestlohn" wird hier zur Zeit mit 260 Reais definiert...




24. August 2004:

Wir sind gut in Teresina weggekommen und haben dann Monica Thiele mit Christopher und Freundin in Brasilia getroffen. Dort haben sich dann unsere Wege getrennt. Ich bin mit Gerborg und Bernd weiter nach Belem. Hier ist es zusaetzlich zur Hitze auch noch sehr feucht. Es regnet etwa am Nachmittag sindtflutartig und dann ist mann och zusaetzlich zum Dauerschweiss weiter nass.

Wir sind in einem kleinen Haus einer ehemaligen evangelischen Pastorin untergebracht, die jetzt im Staate Para den wichtigen und angesehenen Posten einer "Ombutsfrau" fuer Klagen gegen Polizei usw. hat. Aber es ist hier sehr eng, Wenn wir unsere Koffer aufmachen, koennen wir nicht auf unseren Matratzen am Boden liegen...

Wir haben Projekte der lutherischen Kirche hier besucht, u.a. auch die Villa da Barka, "illegale" Pfahlhaeuser am Raden des flusses. Und wir sind viel durch die Millionenstadt gelaufen - was Brasilianer gar nicht gerne tun. Die Fahrt mit den Bussen ist sehr abenteuerlich. Das ist hier der Wilde Westen von Brasilien, was den Verkehr angeht. Die zahlreichen Busse versuchen sich gegenseitig im Wettrennen zu ueberholen, Fussgaeger haben kaum eine Chance...

Dann waren wir das Wochenende auf der "Insel" Marajo, die eigentlich nur ein riesiges durch einen Fluss im Amazonasdelta getrenntes Landstueck ist. Dort waren wir in einer deutschsprachigen Familie untergebracht. Wir haben eine Bueffelfarm besichtigt und am Sonntag wurde ich dem Bischof vorgestellt (Spanier, konnte fliessend Deutsch von einem Studium Ende der 60er Jahre in Paderborn). Heute wieder durch die Stadt. Es ist sehr heiss. Gerade kam wieder ein Schauer vom Himmel.

Morgen geht es mit dem Flugzeug wieder weiter nach Manaus.

Es ist hier alles etwas sehr einfach und unterschiedlich zu Teresina... Ich bin mal auf den Urwald in Manaus gespannt, denn dort muessen wir etwa 100 Kilometer erst weiter ins Landesinnere fahren...

Alles Gute, bis bald.




27. August 2004:

Seit Dienstag bin ich jetzt zusammen mit Gerborg Meister und Bernd Lobgesang (beide Lehrer am Comenius-Kolleg Mettingen) in Presidente Figueiredo, gut 100 Kilometer nordwestlich von Manaus im Herzen Amazoniens. Wir sind bei Egydio Schwade untergebracht, der hier ein kleines "Bildungszentrum" errichtet hat...

Aber Mittwoch vor einer Woche ging es in aller Fruehe erst einmal von Teresina los. Nach drei Wochen war das schon ein richtiger Abschied von unseren Gastfamilien. Franziska Huevelmeyer und Marianne Ungruhe haben dann eine Woche Badeurlaub in Sao Luis angeschlossen und sind hoffentlich heute wieder gut in Ibbenbueren angekommen. Wir drei haben uns dann in Brasilia von den Fuenfen getrennt, die "direkt" nach Hause gefahren sind. Auf dem Flughafen haben wir noch Monica Thiele mit Christopher getroffen, die die Gruppe waehrend des weiteren 9-stuendigen Aufenthaltes in Brasilia begleitet hat. Monica Thiele wohnt mit Familie in Ibbenbueren-Laggenbeck, kommt aber gebuertig aus Brasilia und war hier zu Besuch.

Wir Drei sind dann aber schon bald nach Belem weiter gefolgen, wo wir bei Marga untergebracht waren. Das ist eine pensionierte deutschstaemmige evangelische Pastorin, die sich solche Verdienste erarbeitet hat, dass sie jetzt schon seit 7 Jahren den hochgeachteten Posten einer "Ombudsfrau" angetragen bekommen hat. Bei ihr laufen im Staate Para die Beschwerden gegen Machtmissbrauch von Seiten der Polizeibehoerden auf.

Die Unterbringung in ihrem Haus war sein eng, aber wir sind mit ueberwaeltigender Gastfreundschaft und Selbstverstaendlichkeit aufgenommen worden und hatten gute Gespraeche (Gott sei Dank spricht sie deutsch...).

Am Mittwochabend ging es dann erst noch einmal mit dem Bus (eine ganz besondere Erfahrung, denn hier scheint der "Wilde Westen" Brasiliens zu herrschen und insbesondere die Busse fahren Wettrennen oft zu dritt nebeneinander, ohne Ruecksicht auf die Passagiere, die sich mit Haenden und Fuessen festzukrallen versuchen...) auf einem Friedhof am Rande der Stadt, wo Gerborg eine verstorbene Menschenrechtlerin besuchen wollte. Es war etwas traurig, da wir nach einigem Nachfragen zu einem anonymen Grab mit verblichenen Plastikblumen gefuehrt wurden.

Donnerstag haben wir dann erst einmal die lutherische Kirche und einige Am Donnerstag haben wir dann einige Projekte der lutherischen Kirche besucht. Unter anderem die "Villa da Barka", Pfahlbauten ueber dem Fluss in einfachsten Verhaeltnissen.

Freitag ging es zunaechst durch die Stadt, zu den gut fuer Touristen hergerichteten "Docks", der Zitadelle und der Kathedrale und einigen Museen.

Seit Belem ist es heiss und zusaetzlich permanent feuchtnass. Die Kleidung trocknet ueberhaupt nicht mehr. Es dauert etwas, bis man sich daran gewoehnt hat. Nachts bleibt es heiss und feucht und das Schlafen klappt nur stundenweise. Ueberhaupt scheint das Leben hier nur stossweise moeglich zu sein. Wenn man zwei oder drei Stunden in der Hitze der Stadt gewesen ist, muss man erst einmal wieder ausduensten und ausruhen. Ich esse wenig und trinke viel...

Freitagnachmittag sind wir dann das Wochenende auf die "Insel" Marajo gefahren. Das ist ein riesiges Gebiet im Amazonas-Delta, das durch einen "Flusslauf" (hier ist alles Fluss...) zur "Insel" wird. Drei Stunden dauerte die Schiffahrt, mit Gewitter und Blitzen und schwerem "Seegang". Dann waren wir nach einer Busfahrt und weiteren Flussueberquerung in Soure in der "Casa Alema" untergebracht. Der deutsche Mann war gerade in Wiesbaden, wir wurden von Frau und Tochter betreut. Insbesondere die 12jaehrige Tochter konnte gut Deutsch sprechen. Am Wochenende sind wir durch den Fischerort gegangen und haben mit dem Landrover eine Buffalo-Farm besichtigt, sind stundenlang durch die heissen Suempfe gewandert und haben natuerlich eiskaltes Bier getrunken. Am Sonntag bin ich dann um 5 Uhr frueh aufgestanden, weil mich unsere Gastgeberin zur Fruehmesse mitnehmen wollte. Sie hat aber verschlafen, und so bin ich erst um 9 Uhr zur Messe gekommen - nicht ohne vorher dem Ortsbischof vorgestel!

lt zu werden. Der konnte auch gut deutsch sprechen... Gebuertiger Spanier, war er Ende der 60er Jahre als Spanierseelsorger im Bistum Paderborn taetig. Die Rueckfahrt von der Insel verlief weniger spektakulaer als die Hinfahrt. Abends sind wir dann noch in der Nachbarschaft beim Japaner essen gegangen.

Montag bin ich dann noch mit Bernd kilometerweiter zu Fuss durch Belem gelaufen, was die Brasilianer, die wir nach Wegen fragten, nicht verstehen konnten. Hier faehrt man selbst 100 Meter noch mit dem Bus. Leider hatten Montags die Museen zu. Lediglich in einen sehr bekannten zoologischen Garten konnten wir durch einen Seiteneingang herein. Abend haben wir (inzwischen waren noch mehr Bekannte von Gerborg gekommen) dann leichtfertig drei Familienpizzas ins Haus bestellt. Offensichtlich sind die Familien hier aber groesser, so dass wir nur mit Ach und Krach zwei aufbekommen haben (mit 9 Leuten).

Dienstag sind wir dann auf Staatskosten mit der Fahrbereitschaft von Marga zum Flughafen, wo wir trotz aller Ausschilderung dennoch unseren Flug nach Manaus gefunden haben. Zwischenladung in Santarem, schon mitten im grossen Amazonasgeflecht. In Manaus ging es dann zuegig mit dem Taxi zum Busbahnhof; aber wir haben den Bus nach Presidente Figueiredo um 5 Minuten verpasst, so dass wir zwei Stunden warten mussten. Ein kraeftiges Gewitter kuelte die Luft etwas ab, dann ging es im klimatisierten Bus etwa 90 Minuten weit auf der guten Strasse, die bis ins gut 2000 Kilometer weit entfernte Carracas in Venezuela fuehrt. Die letzten Meter bis Egydio mussen wir mitsamt unserem Gepaeck zu Fuss gehen.

Egydio, deutschstaemmige Familie, war hier vor 40 Jahren einmal Jesuitenpriester und Pfarrer der Gemeinde. Vor 30 Jahren hat er geheiratet und ist mit seiner Familie hier wohnen geblieben; danach ist so gut wie kein Priester hier mehr vor Ort geblieben. Heute kommt ab und zu einer von ausserhalb, viele Sekten haben das Feld inzwischen bestellt. Egydio ist hochangesehener Gruender mehrerer Indianer-Organisationen und propagiert seit Jahren vielbeachtete Kurse zur "Selbstversorgung". Sein "Nahrungswald" kann den Familien nicht nur ausreichend zu essen geben; er wirft auch etwas ab, womit man zuesaetzlich Geld verdienen kann. Er hat Bienenzucht hier eingefuehrt. Aber er lebt auch sehr einfach und kompromisslos. Fuer ihn ist "die Stadt" ein ueberfluessiges Greuel, alle Menschen muessten auf dem Land leben, das deshalb geschuetzt werden muss und die Menschen ernaehren kann. Wir diskutieren sehr viel miteinander. Er wird immer noch von den Jesuiten eingeladen, kennt sich theologis! ch und politisch bestens aus und waere ein guter Priester der Gemeinde hier...

Gestern sind wir zu Fuss etwas ausserhalb des Ortes in einem privaten Faziendabereich gewesen, der ploetzlich in einen Flusslauf fuehrte. Da standen wir vor einem kleinen Wasserfall des Rio Preto, in dem wir baden konnten. Hier ist ueberall Wasser und Wald. Durch die Luftfeuchtigkeit ist man permant "im Wasser". Gott sei Dank hat uns seine Frau dann dort abgeholt, sonst hatten wir dorch arge Schwierigkeiten mit dem Rueckweg durch die heisse Mittagshitze gehabt. Abends sind wir dann beim Italiener zum Pizzaessen gegangen. Der hat sich gut gefreut, denn so viele Leute kommen die Woche ueber nicht hierhin.

Heute sind wir mit dem Taxi (der Taxifahrer hat uns fuer 150 Reais = ca. 40 Euro den ganzen Tag ueber begleitet) nach Manaus zuerueck gefahren und haben dort einiges besichtigt. Die Stadt ist nicht so schoen wie Belem, auch in den letzten Jahren nicht so gut hergerichtet. Lediglich eine "Freihandelszone" lockt am Stadtrand alle internationalen Firmen an. Wir haben den Hafen und die Kathedrale und mehrere Museen besichtigt. In der bekannten Oper gab es eine gute Fuehrung. Gerborg fand keine Bank, um Dollar- und Euro-Noten in Real zu wechseln. Dafuer konnte ich mit der normalen Euroscheck-Karte in einem Einkaufszentrum das noetige Geld "ziehen". Ein merkwueriges Land...

Morgen geht es weiter in den Urwald, ein Familienbesuch und weitere Ausfluege stehen an. Am Montag haben wir "unseren" Taxifaher fuer 9.30 Uhr bestellt (unserer Zeit, die jetzt schon 6 Stunden "zurueck" liegt!), um uns direkt zum Flughafen zu bringen. Am Dienstag muessten die Fluege um 17.30 Uhr am FMO enden...

Jetzt geht gleich wieder der Kampf mit Muecken, Riesenspinnen und der heissen Luftfeuchtigkeit los. Ohne Moskitonetz ist schlecht; mit Moskitonetz (das sehr eng gewebt ist) klappt die Ventilation im Zimmer nicht so richtig... Stossweises schlafen, stossweises leben hier... Die Umstellung war nicht einfach, aber es hat auch etwas, man kann sich daran gewoehnen - wenn man hier nicht arbeiten und leben muesste, das ist schon echt hart hier. Alles Gute!

P.S. Ich habe Probleme mit meiner Kamera, kann u.a. keine Fotos mehr loeschen und habe somit ein Speicher- bzw. Aufloesungsproblem. Es ist schon merkwuerdig: Der "Naturmensch" Egydio kommt auch an einem XP-Rechner und Internet mitten im Amazonas nicht vorbei und hat mir somit indirekt die Weiterverarbeitung meiner Computersachen in gewohnter Weise ermoeglicht...




Zeitungsbericht aus Teresina:

Ibbenbueren/Teresina (Brasilien). Die zehnkoepfige Reisegruppe aus St. Ludwig, die drei Wochen lang ihre Partnergemeinde in Brasilien besucht hat, ist am Mittwochmorgen von Teresina abgeflogen. Die Haelfte der Gruppe wird am spaeten Donnerstagnachmittag wieder in Ibbenbueren zurueck erwartet. Die anderen besuchen weitere Projekte in Sao Luis, Belem und Manaus. Am Montag, dem 152. Jahrestag der Gruendung von Teresina, waren die Mitglieder des Arbeitskreises in die "Offene Schule" eingeladen, die seit neun Jahren mit monatlich mindestens 500 US-Dollar (zur Zeit gut 400 Euro) aus St. Ludwig unterstuetzt wird. Die "Offene Schule" ist eine Einrichtung fuer sieben- bis zwoelfjaehrige Jungen, die aus kritischen wirtschaftlichen und sosialen Verhaeltnissen kommen. Fuenf Erzieher, eine Koechin und sieben Koordinatorinnen sorgen fuer den Betrieb der Schule ergaenzenden Einrichtung. Je 30 bzw. 32 Kinder nehmen zur Zeit am Vormittag oder Nachmittag - je nachdem, wann sie die oeffentliche Schule besuchen - an der zuesaetzlichen "offenen Schule" der Pfarrgemeinde teil. Mittags oder abends bekommen sie eine warme Mahlzeit. Das sind 40 Unterrichtsstunden und 620 Mahlzeiten pro Woche in dem Projekt, das massgeblich aus Ibbenbueren mit finanziert wird. In den naechsten zwei Jahren soll die Arbeit ehrgeizig und mit weiterer Unterstuetzung der Kommune und einzelner Betriebe ausgeweitet werden. So sollen 150 Kinder in oeffentlichen kulturellen Einrichtungen ein Praktikum verrichten koennen. In Zusammenarbeit mit der Landes-Universitaet von Piauí findet jetzt von August bis Dezember eine Sensibilisierung fuer heimische Heilpflanzen statt. Eine Gruppe von Aerzten und Apothekern hat sich bereit erklaert, im uebernaechsten Jahr 300 Kinder zusammen mit ihren Familien in Fragen der Gesundheitsvorsorge zu beraten.




[Artikel Nr.735 vom 06.01.2007, Autor mw]