Besuch aus Irati 2004 (Datei 60)

Besuch aus Irati/Brasilien in Brochterbeck (Juli 2004)

Im Juli hatten wir in der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul zum dritten Mal (nach 1997 und 1999) Besuch aus unserem Kinderdorf in Irati, Bundesstaat Paraná in Brasilien. Sr. Anice, die Leiterin des Kinderdorfes, wurde begleitet von Sirlei, die seit über 10 Jahren Lehrerin im Kinderdorf ist und deren Mann Renato.

Im Kinderdorf, das vor 13 Jahren gegründet wurde, leben zur Zeit 50 Kinder, die aus großer Armut und Not gekommen sind. Sie wurden in das Kinderdorf eingewiesen, in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und einer Familienrichterin, da sie einem akuten Lebensrisiko ausgesetzt waren. Ursache hierfür sind zerrüttete Familien, Alkohol, Drogen, Hunger, Leben auf der Straße. Im Kinderdorf erfahren diese Kinder sehr viel Liebe und Wärme, sie bekommen psychologische Betreuung, können eine Schule besuchen und haben Zeit zum Spielen.

Die ersten Kinder – bereits Erwachsene – konnten das Kinderdorf in eine gute Zukunft verlassen. Sie haben eine Ausbildung bekommen und können sich selbst versorgen. Es gibt sogar schon das erste „Enkelkind“. An der Entwicklung der Kinder können wir sehen, wie gut es ist, dieses Projekt zu unterstützen, da hier der richtige Weg gegangen wird, dem Kreislauf der Armut zu entkommen.

Der Besuch aus Brasilien war dazu angetan, alle unterstützenden Gruppen und Gemeinden zu besuchen, um die Entwicklung des Kinderdorfes vorstellen, die Geschichten der Kinder zu erzählen, Danke zu sagen für die Unterstützung aus Deutschland, sich gegenseitig kennen zu lernen. Das persönliche Treffen von Freunden und Förderern des Kinderdorfes und den Verantwortlichen aus dem Kinderdorf ist sehr wichtig, damit es nicht zu einem anonymen Projekt wird. Gegenseitiges kennen lernen, Vertrauen fassen und Freundschaft schließen sind neben dem gemeinsamen Glauben wichtige Grundpfeiler, das Kinderdorf weiterhin ausreichend von allen Seiten unterstützen zu können. Bei einer Rundreise quer durch ganz Deutschland wurden alle Schulen, Gruppen und Kirchengemeinden besucht, die dem Kinderdorf Irati auf vielfältiger Weise verbunden sind. Auch traf man sich mit den bisherigen vier Missionarinnen auf Zeit, die im Kinderdorf jeweils für ein Jahr gearbeitet haben. Höhepunkt der Rundreise war aus brasilianischer Sicht ganz bestimmt die Schneeballschlacht in den Bergen Bayerns. „Schnee, der ist ja ganz weich!“ – so hatten sich unsere brasilianischen Gäste den Schnee nicht vorgestellt, den sie in ihrem bisherigen Leben noch nie zu Gesicht bekommen hatten.

Nachdem das Kinderdorf nun aus den Anfangsschuhen herausgewachsen ist, wird versucht, neue Wege zu gehen. Kinder aus der Armensiedlung, die direkt neben dem Kinderdorf ist, können an verschiedenen Projekten im Kinderdorf teilnehmen. Sie erhalten dort etwas warmes zum Essen und Unterricht. Den Müttern wird gezeigt, aus wenigem gute Nahrung zu kochen. Außerdem wird versucht, den richtigen Umgang mit Wasser zu lehren.

Früher ging es darum, ein Kinderdorf aufzubauen – heute geht es darum das Kinderdorf dauerhaft zu unterhalten und die Hilfe zur Selbsthilfe in der Armensiedlung aus der Nachbarschaft zu unterstützen!

Spendenkonto-Nr.: 30 147 901
bei der Volksbank Tecklenburger Land eG (Bankleitzahl: 403 619 06)
Weitere Informationen zum Kinderdorf sowie Fotos von der Reise auf www.kinderdorf-irati.de.
Sabine Wallmeier
[Artikel Nr.73 vom 06.01.2006, Autor mw]