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Das ist eine Welt für sich

Ibbenbüren. Lars Inderwisch und Matthias Brügge kann so leicht nichts erschüttern. „Bei den Kleinen muss man auf alles achten: dass sie ihre Unterhosen anziehen, die Zähne putzen, dass auch nach Tagen noch Sachen im Koffer sind ... Und wenn man zum Schwimmen geht, fehlt meistens die Badehose. Da muss man richtig mitgehen und suchen und aufpassen, dass sie alles einpacken“, sagen die beiden jungen Männer. Und sie wissen, wovon sie sprechen. Beide Lagerleiter haben schon jahrelang Erfahrung als Betreuer im Schnupperlager für 7- bis 10-Jährige der Kirchengemeinde Heilig Kreuz in Ibbenbüren und sind noch immer mit Freude dabei. Wenngleich alle 19 ehrenamtlichen Betreuer, die im vergangenen Jahr mit 48 Kindern nach Holland gefahren sind, mit Spaß bei der Sache sind.

„Urlaub ist das nicht“

„Der Schlafmangel ist anstrengend.“ Aber: „Im Lager ist man in einer eigenen kleinen Welt. Da geht es für zehn Tage komplett anders ab“, schwärmen der 27-jährige Student der Fahrzeugtechnik und der 22-Jährige, der Soziale Arbeit studieren möchte. „Man freut sich, wenn man sieht, dass die Kinder Spaß haben und wir verstehen uns auch im Team alle sehr gut“, beschreiben die einsatzfreudigen Herren, was für sie den Reiz ausmacht, sich jahrein, jahraus im und für das Schnupperlager zu engagieren. „Man findet eine Menge Freunde durch das Lager“, sagt Lars Inderwisch, der als Zivildienstleistender in St. Ludwig durch einen Zufallseinsatz („Ich bin mitgefahren, als kurz vor Lagerende die Fahrräder wieder zurück geholt werden mussten“) Gefallen an der Atmosphäre im Betreuerteam fand.

Natürlich muss man Freude am Umgang mit Kindern haben, aber auch sonst sind noch eine Reihe von Qualifikationen hilfreich für eine gelungene Lageratmosphäre, Teamfähigkeit zum Beispiel. „Man muss auch mal schlucken können“, sagt Lars Inderwisch, schließlich müsse man sehen, dass man eine gewisse Harmonie schafft. Wichtig sei auch „die Bereitschaft, unaufgefordert auch mal blöde Arbeit zu machen, zum Beispiel Toiletten putzen“, meint Matthias Brügge, der sich einen Sommer ohne Lager gar nicht mehr vorstellen kann. Dennoch: Wenn man berufstätig ist und noch Familie hat, „dann wird es immer schwieriger“, weiter dabei zu bleiben, sagen beide. Deshalb wissen sie nicht zuletzt zu würdigen, dass sie zwei Psychologen und eine Kinderkrankenschwester im Team hatten, die eigens Urlaub für das Lager genommen haben.

Das Lager beschäftigt die beiden Leiter nicht nur während der zehn Tage seiner Dauer, sondern mit unterschiedlicher Intensität das ganze Jahr hindurch. Schon vor dem letzten Schnupperlager im Juli waren die beiden in Holland unterwegs, um einen Ferienhof für 2007 zu suchen. In Bakkeveen in Nordholland wurden sie fündig. „Und wir waren schon spät dran, denn die Höfe sind oft über Jahre ausgebucht.“ Nach dem anschließenden Lager folgt dann eine Lagerausschusssitzung, an der alle Lagerteams der Gemeinde sich austauschen und ihre Termine abstimmen. Außerdem wird der Stand der Planungen referiert. Im Moment ist gerade die Kalkulation dran. Das versprach dieses Jahr schwer zu werden, bis die Stadt Ibbenbüren entgegen anders lautender Gerüchte den bisherigen Zuschuss weiter zusagte. Ein Budget von insgesamt rund 9 000 bis 10 000 Euro brauchen die Organisatoren für das Lager, allein der Hof, auf dem die Kinder nächstes Jahr die zehn Lagerferientage verbringen, kostet 6 000 Euro. Für dieses Jahr wurden erstmals Sponsoren gesucht, die das Lager unterstützten, denn der Hof war teuer. Mit Spenden und dem Erlös aus einer Party, die die Betreuer organisierten, konnte das Kassendefizit aufgefangen werden.

„Beim Einkaufen wird überall nach Prozenten gefragt“

Es gilt immer, sparsam zu sein. Wie viel man so in der Küche braucht, dafür gibt es mittlerweile Erfahrungswerte. „Man spart, wenn man nicht so viel übrig behält“, was dem Küchenteam in den letzten Jahren besonders gut gelungen sei. Und das ist nicht ganz einfach: „Wenn das Wetter so heiß ist wie dieses Jahr, wird wenig gegessen, dafür aber viel mehr getrunken. In einem Lager, in dem wir mal besonders viel Regen hatten, war die Kinderwurst schon nach der Hälfte der Zeit alle.“ Nachschub musste dann Besuch aus Deutschland mitbringen.

Im Oktober laufen schon die Anmeldungen für das nächste Jahr (26. Juli bis 4. August 2007). Vergangenes Jahr gab es mehr Anmeldungen als Plätze, weshalb kurzfristig noch ein zweites Lager aus dem Boden gestampft wurde.

Jeweils im Februar wird das Betreuerteam zusammengestellt. Wenige Tage vor dem Start wird im Lagerkeller nachgesehen, was fehlt und was noch eingekauft werden muss. Dann wird der Lastwagen gepackt, und einen Tag vor der Abreise macht sich der Vortrupp (drei bis vier Betreuer und zwei Helfer, die den Lastwagen zurückfahren) auf den Weg. Dieser bereitet alles am Zielort vor und bringt auch die Fahrräder hin. „Und wenn wir zurückkommen, wird abends erst einmal das Material wieder in den Keller geräumt. Das ist die blödeste Arbeit, denn da ist man kaputt und möchte nur noch ins Bett.“



Zum Thema

Das Schnupperlager für 7- bis 10-Jährige in der Kirchengemeinde Heilig Kreuz ist mit zehn Tagen von kürzerer Dauer als das Lager für die größeren Kinder. Es ist kleiner – statt rund 90 Teilnehmer bei den Größeren fahren nur 45 bis 48 Kinder mit. Auch die Gruppen sind mit je vier bis fünf Kinder kleiner. Die jüngeren Kinder sollen sich gewöhnen können. In der Regel fahren einschließlich des dreiköpfigen Küchenteams und Pastor Martin Weber 16 bis 17 Betreuer mit. Um das Schnupperlager zu ermöglichen, sind Lagerleitung, Betreuer- und Küchenteam viel beschäftigt: Elterninfoabende, Infoabende für die Betreuer (Rechte und Pflichten), Kalkulation, Programmbesprechung und –ausarbeitung, Nachbesprechung, Elternnachmittag, Förderanträge stellen, einkaufen ...

Foto und Text der Ibbenbürener Volkszeitung


[Artikel Nr.668 vom 26.09.2006, Autor li]