Strand-Olympiade in den Dünen

Kinderlager Heilig Kreuz trotzt dem Regenwetter

Ibbenbüren/Bakkeveen. Die Ferienfreizeit von Heilig Kreuz mit 87 Kindern im niederländischen Bakkeveen geht ihrem Ende zu. Nach zwei Wochen werden die Urlauber am Samstag gegen 15.30 Uhr wieder an der Ludwigkirche zurück erwartet.

Bakkeveen liegt in der Provinz Friesland, etwa drei Stunden Busfahrt von Ibbenbüren entfernt und 45 Kilometer Luftlinie südlich der Nordseeinsel Schiermonnikoog (wo es im nächsten Jahr hingehen wird). Das Dorf hat schätzungsweise 1500 Einwohner und besteht im Wesentlichen (und damit aus der Sicht der Lagerteilnehmer) aus einem Supermarkt, einer Pommesbude und einem Geldautomaten. Das einzige öffentliche Telefon ist am Campingplatz. Sonst „nur“ schöne Landschaft: ein Kanal mit vielen Brücken, kleine Wälder, eine phantastische Dünen-Welt mit Aussichtsturm – und Tiere: Kühe, Hühner, Ziegen, ganze Wiesen voll Schafe und Fliegen, Fliegen, Fliegen…

Die 16 Betreuer(innen) hatten sich schon monatelang auf das Projekt mit den Kindern vorbereitet. Das zahlt sich nun, da kaum ein Tag ohne Regen ist, aus. Die Stimmung ist Klasse, die Chemie unter Betreuern und Kindern stimmt. Das andere ist professionelle Arbeit der teilweise langjährigen ehrenamtlichen Helfer(innen) unter der Leitung von Katja Eggemeyer und Vicky vom Hagen und das richtige Gespür, was dran gerade dran ist. Immer wieder werden die halben trockenen (sonnen-) Tage gefunden, in denen die Kinder vom Kampier-Bauernhof herunter kommen und sich austoben können.

Da gibt es die Strand-Olympiade in den Sand-Dünen, etwa 15 Minuten Fußweg vom Lager entfernt. Oder das Betreuer-Suchspiel während des öffentlichen Flohmarktes am Freizeitzentrum. Die Nachtwanderung entlang des benachbarten Waldes. 46 Kinder fahren mit dem Linienbus ins nahe Drachten zum Spaßbad „De Welle“; für die Rückfahrt wird über Funk extra ein größerer Bus bestellt. Viele Ausflüge werden von den Gruppen mit den eigenen Fahrrädern unternommen.

Viele Gruppen und AG`s (Arbeitsgemeinschaften) gehen immer wieder für Stunden in den Doolhofpark „De Duinen“. Das Naturschutzgebiet bietet eine faszinierende Mischung von Sand, Heide und Wald, wie es die meisten Kinder nicht kennen. Hier kann man in niedrigen Bäumen klettern, tiefe Löcher in den Sand buddeln, Fußball spielen, neue Spiele ausprobieren, herumlaufen oder mit weitem Rundblick auf abgestuften begrasten Hügeln sitzen. Und eine Eisbude ist notfalls auch in der Nähe.

Zu den Höhepunkten des Hofprogrammes gehören das Casino und „Wetten dass“. Dieses Mal mussten die Betreuer in einer Außenwette mit einem Kanu über den Kanal setzen – was sie in kürzester Zeit auch schafften. Zahlreiche AG`s beschäftigen die Kinder kreativ: Freundschaftsbänder werden selbst von den Jungen gerne geknüpft; T-Shirts und Taschen können bemalt oder gebatikt werden; neue Brettspiele werden ausprobiert; an Speckstein wird gehämmert und mit Ton geformt. Und abends etwa alle zwei Tage die Disco mit Wunschmusik.

Normalerweise gibt es einen festen Tagesrhythmus, der sich an den sieben Kocheltern orientiert. Die sind die ersten, die morgens für das Frühstück um 8.30 Uhr aufstehen. Eine halbe Stunde vorher werden die Kinder über das Lager-Radio geweckt. Jeden Tag werden 40 Liter Milch und 15 Brote verarbeitet. Überraschenderweise wird dieses Jahr mehr „Kinderwurst“ als Nusspli gegessen. Von 10 Uhr bis 12.30 Uhr ist das Vormittagsprogramm, dann das Mittagessen. Auf dem Speiseplan stehen zum Beispiel Bratwurst, Erbsensuppe, Nudeln, Frikadellen, Backfisch, Möhreneintopf, Putengeschnetzeltes – alles mit viel Kartoffeln, Eis und Vla (einem typisch holländischen Pudding). Um 14 Uhr übernimmt eine der 14 Gruppen das „Lädchen“, wo die Kinder bargeldlos Süßigkeiten einkaufen und von ihrem Taschengeldkonto abbuchen können. Zwischen 15 Uhr und 18.30 Uhr ist das Nachmittagsprogramm, anschließend das Abendessen – oft mit warmen Resten vom Mittag. Um 20 Uhr beginnt das Abendprogramm, gegen 22 Uhr müssen die Kinder ins Bett. Alle zwei Tage gibt es dann noch das Lager-Radio mit Wunsch-Einschlafmusik und Grüßen.

Bakkeveen 2005 (Datei 378) Die Gruppen müssen ihr Geschirr selbst spülen. Abends ist Hof- und Toilettendienst eingeteilt – ein nicht gerade einfaches Unterfangen für teilweise in diesen Dingen völlig unbedarfte Kinder. Eine Waschmaschine und ganz besonders ein Trockner laufen bei diesem Wetter rund um die Uhr und sorgen für frische Kleidung – auch wenn viele Kinder sie dann nicht wieder erkennen und die „Fundkiste“ immer voller wird. Regelmäßig gibt es den „Goldenen Putzlappen“, mit dem aufgeräumte Schlafzimmer prämiert werden. Musikgeräte sind (inzwischen) erlaubt, Handys müssen abgegeben werden. Es gibt in diesem Jahr ein hohes Maß an Gemeinschaftssinn und Toleranz unter den Kindern.



Im Kinderferienlager von Heilig Kreuz in Bakkeveen hatten sich die Betreuer verkleidet und unter einen Flohmarkt gemischt. Im Anschluss wurde das gemeinsame Foto unter dem Aussichtsturm gemacht. Die Kinder kommen am Samstag gegen 15.30 Uhr wieder an der Ludwig-Kirche zurück.
[Artikel Nr.238 vom 05.02.2006, Autor khe]