Missio: Pfarrfest für Muslime (Datei 325)

missio aktuell 2/92: Pfarrfest für Muslime

Pfarrfest für Muslime

Die Gemeinde St. Ludwig in Ibbenbüren wird mit einem Teil Ihres Pfarrfest-Erlöses einen muslimischen Gebetsraum mitfinanzieren. missio aktuell sprach mit Pfarrer Martin Weber, 34.

Muslime haben das Image, allzuoft fanatisch zu sein. Sie wollen jetzt im Bereich ihrer Gemeinde ein muslimisches Begegnungszentrum mit einem Gebetsraum mitfinanzieren. Warum?
Muslime leben in Ibbenbüren seit über 20 Jahren. Unser Pfarrer im Krankenhaus hat schon lange Kontakte zu ihnen gepflegt und fragte jetzt an, ob wir bei der Finanzierung eines Treffpunktes und Gebetsraumes mithelfen wollen. Das war der äußere Ausgangspunkt, der uns dann den Anstoß gab, darüber nachzudenken, wie wir zu den Muslimen in unserer Nachbarschaft stehen.

Stoßen Sie mit Ihren Finanzierungsplänen nicht auf heftige Ablehnung?
Sicher gibt es Ablehnung und Unsicherheit. Die Medien berichten ja immer wieder über die fundamentalistischen Strömungen im Islam. Aber wir haben hier in Ibbenbüren auch ganz persönliche Erfahrungen mit muslimischen Arbeitskollegen. Diese Erfahrungen sind positiv. Und deshalb versuchen wir über unser Verhältnis zu den Muslimen ins Gespräch zu kommen. Dann merkt man sehr schnell, daß viele Ängste auf Vorurteilen gründen und daß es wichtig ist, zu einer Begegnung und zu einem besseren Kennenlernen zu gelangen.

Warum aber wollen Sie denn den muslimischen Gebetsraum mitfinanzieren?
Ich erlebe die Türken hier, wie gesagt, keinesfalls als fundamentalistisch. Das sind Menschen, die nicht daran denken, Christen zu werden, und wir würden nicht daran denken, sie missionieren zu wollen. Es sind Menschen, die fromm sind, die redlich versuchen, ihren Glauben zu praktizieren. Jetzt sind sie in Schwierigkeiten gekommen, ihren Versammlungs- und Gebetsraum zu finanzieren und sozusagen ihre geistige Heimat auch hier leben zu können. Dies ist Grund genug für uns zu helfen. Ich hoffe natürlich, daß wir über dieses Äußere hinauskommen und wirklich zu einem Kennenlernen gelangen, damit wir keine Angst mehr voreinander haben müssen. Beide Seiten würden hiervon profitieren.

Was bringt denn ein solcher Dialog?
Wenn man sich kennt, dann kann man auch miteinander über seinen Glauben reden, über seine kulturellen Unterschiede. Und das ist für unsere Gemeinde sehr spannend, weil viele es nicht gewohnt sind, ihren Glauben zur Sprache zu bringen, geschweige denn zu begründen. Wenn ich mit Nichtchristen zusammenkomme, muß ich meine innersten Überzeugungen und meinen Glauben in Worte fassen, ich muß selbst reflektieren, um dem anderen das zu erklären und nahezubringen, was mir wichtig ist. Dieser Dialog ist menschlich und religiös eine wertvolle Bereicherung.

Mit welchem Betrag werden Sie den Gebetsraum der türkischen Muslime mitfinanzieren?
Das ist eher eine symbolische Summe. Es werden wohl gut 1000 Mark sein. Wir werden den Erlös des Pfarrfestes vierteln: Ein Viertel bleibt bei uns, wir verwenden es für unseren neuen Kindergarten. Dann geht jeweils ein Viertel an die Muslime, an eine Partnergemeinde in Brasilien und an Asylantenkinder hier in unserem Pfarrgebiet.

Interview: Toni Görtz
missio aktuell 2/92
[Artikel Nr.225 vom 30.01.2006, Autor mw]