Kirchbau St. Ludwig

Kirchbau - Planung



Auszug aus der Urkunde zur Grundsteinlegung der Pfarrkirche St. Ludwig:

"Unser Pfarrkirche zum heiligen Mauritius genügt schon lange nicht mehr für die ständig wachsende, durch den Zustrom der Ostvertriebenen stark anschwellende Zahl der Gläubigen. Darum bemühten sich der Pfarrer und die Pfarrgeistlichkeit, der Kirchenvorstand und der Kirchbauverein um den Bau einer neuen Kirche."

Inzwischen war die Zahl der Pfarrgemeindemitglieder in der Pfarre St. Mauritius auf 16.800 angestiegen, sodaß eine geordnete Seelsorge nicht mehr gewährleistet war. Aus diesem Grunde wurde, unterstützt durch die Diözese Münster, von der Kirchengemeinde St. Mauritius beschlossen, eine neue Pfarre in Ibbenbüren aufzubauen. Im folgenden ist der Weg dieser neuen Gemeinde, der Gemeinde St Ludwig zu Ibbenbüren, aufgezeichnet:

18. 01. 1949
Rechtsanwalt Dr. Ketteler erklärte sich der Kirchengemeinde St. Mauritius gegenüber bereit, ein Grundstück in der Größe von 6.250 m2 aus dem früheren Deiterschen Besitz für die Errichtung einer neuen Kirche an der Groner Allee zu verkaufen. Der Kaufpreis betrug DM 17.000. Am 25. Februar 1949 genehmigte das Generalvikariat den Kauf und der Kaufvertrag wurde am 14. April 1949 abgeschlossen.

15. 04. 1949
Ein Pfarrmitglied erinnert sich: "Der Platz, auf dem heute die St. Ludwig-Kirche steht, war früher ein Kinderspielplatz. In der Mitte der buschreichen Niederung, im Winkel zwischen Groner Allee und der Aa, fanden die Kinder Schaukel, Rundlauf, Karussell und Sandkasten. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde der Spielplatz durch Granateneinschläge völlig verwüstet und der Park verwilderte mehr und mehr. Für die Kinder der damaligen Jahre war Schlempeholen, Kohlensuchen und Landbestellen viel wichtigere Überlebensspiele als Schaukeln. Im übrigen boten abgeschossene Panzer, Flugzeuge und Schützenlöcher beliebte Abenteuerspielplätze."
Im Jahr 1949, als feststand, daß die neue St. Ludwig-Kirche auf diesem Gelände erstehen sollte, wurde der Platz gerodet und das Gelände aufgefüllt. Das Rodematerial wurde zu einem großen Osterfeuer aufgeschichtet.
Am 15. April 1949, am Karfreitag-Nachmittag, fand nach der Fastenpredigt in der St. Mauritius-Kirche die Weihe eines großen Holzkreuzes statt, das dann anschließend in einer Prozession von Jungmännern der Gemeinde zu dem neuen Kirchplatz an der Groner Allee getragen und dort aufgerichtet wurde.
Zum Anzünden des Osterfeuers wurde das Feuer von Pfadfindern olympiagleich aus der Mutterpfarre St. Mauritius herübergetragen. Drei Pfadfinder waren ausgewählt, das Feuer vom Altar zu holen und laufend durch die Stadt zum Platz zu bringen. Am Osterfeuer hielt Kaplan Sobbe die Ansprache.

21. 11. 1949
In einem Schreiben vom 21. November 1949 teilte der Pfarrer von St. Mauritius, Bernhard Heufers, dem bischöfl. Generalvikariat mit, daß die britischen Militärregierung, die zu der damaligen Zeit noch alle Grundstücksveräußerungen zu genehmigen hatte, noch nicht ihre Zustimmung zum Kauf des Grundstückes gegeben hätte und daher die gerichtliche Auflassung des Grundstückes bisher noch nicht erfolgen konnte.
Erst am 10. März 1950 lag die Genehmigung der Militärregierung vor und die Auflassung konnte erfolgen.

08. 03. 1950
Die Planung der neuen Kirche wurde dem Architekten Walter Kremer Duisburg übertragen. Er legte den ersten Entwurf am 8. März 1950 dem Kirchenvorstand von St. Mauritius vor. Eine überschlägige Berechnung ergab eine Bausumme von DM 280.000. Im April 1950 wurde von der bischöflichen Behörde der Bauentwurf genehmigt und der baldige Baubeginn angekündigt.

05. 07. 1950
Am 5. Juli 1950 wurde der Kirchenneubau öffentlich ausgeschrieben. Ibbenbürener Baufirmen konnten sich um den Bauauftrag bewerben. Die Unterlagen waren erhältlich im Architektenbüro Thalmann, Ibbenbüren, Marktstraße 6. Bis zum 14. Juli 1950 mußten die Angebote vorgelegt werden. Den Bauauftrag für den ersten Bauabschnitt bis zum Grundstein erhielt die Firma Michel & Börgel, für die Zimmerarbeiten erhielt die Firma Bringemeier den Zuschlag.
Am 8. 3. 1950 lag dem Kirchenvorstand eine überschlägige Berechnung der Bausumme vom Architekten Walter Kremer vor. Die Summe betrug damals ca. DM 280.000. Sofort begann man in der Gesamtgemeinde St. Mauritius mit den Sammlungen für die neue Kirche.
Mit Schreiben des Generalvikariates vom 17. 8. 1951 wurde der St. Ludwig-Gemeinde ein einmaliger Zuschuß von DM 10.000 aus den ausserordentlichen Mitteln des Haushaltsplanes der Diözese gewährt. Am 6. 3. 1952 wurde in Anerkennung der hohen Eigenleistungen von DM 131.000 ein weiterer Zuschuß in Höhe von DM 40.000 gegeben.

25. 07. 1950
Am 25. Juli konnten mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Schwierigkeiten bereitete dabei der wenig tragfähige Moorboden, der eine sehr tiefe Gründung erforderte. Diese Schwierigkeiten traten auch bei allen weiteren Bauprojekten wieder auf.
Hierzu eine Anekdote:
In Ibbenbüren ging der folgender Spruch um:
"Der Kaplan von Überwasser hat unter Wasser eine Kirche gebaut und hat doch Oberwasser behalten."
Dazu: Pfarrer Heufers, der die St. Ludwig-Kirche gebaut hat, war vor seiner Zeit in Ibbenbüren Kaplan in der Überwasser-Kirche zu Münster; das Grundstück für die neue St. Ludwig-Kirche war sehr naß und daher fast unter Wasser.
An den Bauarbeiten nahmen eine Vielzahl von ehrenamtlichen Helfern teil, die allabendlich die verschiedensten Hilfsarbeiten ausführten, wie Planieren, Aufräumen usw. Nach getaner Arbeit saß man dann noch manche Stunde gemütlich im "Domcafé" Zumkley zusammen.

07. 08. 1950
Von der St. Mauritiusgemeinde wurde ein "Kirchbauverein" gegründet, der für die Planung im Rahmen des Kirchbaus und für das Sammeln der notwendigen Gelder zuständig war. Hier eine Zusammenfassung der Aufzeichnungen des Vorsitzenden des Kirchbauvereins, Rektor Pöpel:
"Der Arbeitsausschuß des Kirchbauverein tagte zum ersten Mal am 7. August 1950. Zum Vorsitzenden wurde Rektor Pöpel gewählt; weitere Mitglieder waren die Herren Kersting, Hillger, Hoppe, Göcke, Schlüter, Hebecke, Schröer. Die wichtigste Aufgabe war zunächst, die Bevölkerung für den Bau einer neuen Kirche zu gewinnen, denn es waren große finanzielle Opfer für dieses Vorhaben notwendig.
In einer Versammlung am 27. 8. 1950 wurde festgelegt:
Der Kirchenvorstand von St. Mauritius bleibt für die rechtlichen Fragen verantwortlich; der Arbeitsausschuß des Kirchbauvereins kümmert sich jedoch um die Organisation und die Überzeugungsarbeit für den Kirchenneubau samt Finanzierung.
Um alle Gläubigen in der Pfarrgemeinde St. Mauritius zu erreichen, wird die Gemeinde in 19 Sammelbezirke aufgeteilt und für jeden Bezirk ein Sammler gewonnen, der in alle Haushalte seines Bezirks gehen sollte und dort zu werben und Geld zu sammeln.
Weitere organisatorische Fragen der Sammlung werden besprochen. In den verschiedenen Versammlungen aller Verantwortlichen für den Kirchbau wurde in der Folgezeit immer wieder auf die Notwendigkeit des Neubaus und die Wichtigkeit der Arbeit des Kirchbauvereins und seiner Sammler hingewiesen. Es zeigte sich, daß guter Wille und Entgegenkommen bei der Bevölkerung da war, aber daß auch ein Teil der Gemeindemitglieder den Kirchbau ablehnte und nicht bereit war, dafür zu spenden. Einerseits war das Geld sehr knapp, sodaß es vielen Familien schwer viel, die Spenden aufzubringen. Andererseits hatten viele Gemeindemitglieder, die fern ab vom Gebiet der neuen Pfarre wohnten, wenig Interesse für diesen Kirchbau, sie wünschten sich eher eine Kirche in ihrem Bezirk. Zudem gab es viele Gegner für den Kirchbau, die einfach nicht die Notwendigkeit des Kirchbaus einsehen wollten. Daher wurde von allen Verantwortlichen eine große Überzeugungskraft verlangt. Monat für Monat gingen die Sammler durch ihren Bezirk, um zu werben und Geld für den Kirchbau zu sammeln. Gerade diesen Sammlern sind wir noch heute zu großem Dank verpflichtet, denn sie haben sich manchen Ärger eingehandelt. Zum Schluß macht sich im Kirchbauverein doch ein bißchen Optimismus breit, denn es zeigte sich, daß ein großer Prozentsatz der Bevölkerung eingesehen hatte, daß ein Neubau erfolgen müsse und daß dabei einfach eine Unterstützung durch die Gläubigen notwendig ist. Da viel Handarbeit notwendig war, wurden die Arbeitseinsätze der Gläubigen geregelt. Bei den Waldbesitzern wurde vorgesprochen, um Holzspenden für den Dachstuhl zu bekommen.
Am 23. 2. 1952 wurde dann bereits Richtfest gefeiert. Zum Dank wurden alle Helfer und Sammler, die sich um den Kirchneubau verdient gemacht hatten, eingeladen zu einem kleinen Festessen in der Gaststätte Krusemeyer.
In der Sitzung des gesamten Kirchbauvereins am 7. 12. 1952 wurde Kaplan Wessels von Dechant Heufers dem Kirchbauverein als zukünftiger Pfarrer der neuen Gemeinde vorgestellt und es wurde ihm berichtet von dem bisherigen finanziellen Stand in der neuen Pfarrei.
Am 19. 7. 1953 war die letzte Versammlung des gesamten Kirchbauvereins. Sie begann um 1600 Uhr im Saal Pötter-Lehmann, der restlos besetzt war. Es wurde ein ausführlicher Bericht über den derzeitigen Kassenstand und die Finanzierung der St. Ludwig-Kirche gegeben. Diese hatte rund DM 300.000 gekostet, wovon ca. DM 150.000 seitens der Gläubigen in Form von Spenden und sonstigen Leistungen aufgebracht wurde. Zu dem Zeitpunkt bestand noch eine Restschuld von DM 4.300, die durch die nächste Haus- und Kirchensammlung aufgebracht werden sollte. Mit der Abtragung der Restschuld hatte der Kirchbauverein seine eigentliche Zweckbestimmung erfüllt und konnte aufgelöst werden. Für den Bezirk der neuen Pfarrei bleibt der Kirchbauverein einstweilen weiter bestehen, da doch noch etliche Bauvorhaben und Ergänzungen notwendig waren.
Dechant Heufers und Kaplan Wessels richteten herzliche Dankesworte an alle Versammelten. Damit wurde die Versammlung geschlossen und festgestellt, daß es die letzte Generalversammlung des Kirchbauvereins war."
Der Kirchbauverein hat somit vom 7. August 1950 bis zum 19. Juli 1953 in der Gesamtgemeinde St. Mauritius bestanden.

15. 10. 1950
Mit Schreiben vom 17. September 1950 erhielt Pfarrer Heufers vom bischöflichen Generalvikariat die Mitteilung, daß die feierliche Einsegnung des Grundsteins der neuen Kirche an der Groner Allee vorgenommen werden kann.
Die Weihe, die der Dechant des Dechanates Ibbenbüren, Albert Freude, im Beisein einer Vielzahl an Gläubigen vornahm, fand am Sonntag, dem 15. Oktober 1950 um 1600 Uhr statt und die Kirche erhielt nach dem hl. König Ludwig den Titel "St. Ludwig-Kirche".
Anschließend versammelten sich Ehrengäste, Pfarrgeistlichkeit, Kirchenvorstand und Kirchbauverein zu einem einfachen Imbiß im Restaurant des Kirchenvorstandsmitgliedes Zumkley.

Im Grundstein wurde eine Urkunde eingelegt mit folgendem Inhalt:

Urkunde
zur Grundsteinlegung der St. Ludwig-Kirche, Ibbenbüren
15. Oktober 1950


IM NAMEN DES VATERS UND DES SOHNES
UND DES HEILIGEN GEISTES, AMEN.
Unsere Pfarrkirche zum heiligen Mauritius genügte schon lange nicht mehr für die ständig wachsende, durch den Zustrom der Ostvertriebenen stark anschwellende Zahl der Gläubigen. Darum bemühten sich der Pfarrer und die Pfarrgeistlichkeit, Kirchenvorstand und Kirchenbauverein um den Bau einer neuen Kirche. So wurde mit Gottes Gnade im Heiligen Jahr 1950 mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen.
Es war das zwölfte Jahr des Pontifikates Papst Pius XII.
An der Spitze der Diözese Münster stand seit 3 Jahren Seine Excellenz Bischof Michael Keller.
Das Pfarramt der Pfarrgemeinde St. Mauritius hatte der Pfarrer Bernhard Heufers inne.
Unser Vaterland war gespalten. An der Spitze der Bundesrepublik Deutschland standen der Präsident Dr. Theodor Heuß und der Kanzler Dr. Konrad Adenauer.
Amt, Stadt und Land Ibbenbüren wurde geleitet von den Bürgermeistern Josef Verlemann, Franz Remke und Andreas Horstmann.
Mit dem Bau der neuen Kirche, der am 20. Juli vom Kirchenvorstand einstimmig beschossen wurde, begann die Baufirma Michel & Börgel am 25. Juli 1950. Den Bauplan erdachte der Duisburger Architekt Walter Kremer. Zum Patron der neuen Kirche wurde der heilige König Ludwig gewählt.
Der Grundstein wurde im Auftrage des Bischofs von dem hochw. Herrn Dechanten Albert Freude unter Assistenz des Pfarres Bernhard Heufers und der Pfarrgeistlichkeit in Gegenwart des Kirchenvorstandes, des Kirchbauvereins und vieler Gläubigen - sogar die Ibbenbürener Confraternitas der Geistlichen hatten Vertreter entsandt - am 15. Oktober 1950 in feierlicher Weise gesegnet und eingebaut.
Daß das Werk gelinge und zu gutem Ende komme, das erflehen von Gottes Gnade alle, die unterschreiben

DER KIRCHENVORSTAND
Der Pfarrer Die Pfarrgeistlichkeit
DER KIRCHENBAUVEREIN
Das Präsidium Der Arbeitsausschuß
DIE CONFRATERNITAS

20. 02. 1952
Am Mittwoch, dem 20. Februar fand unter großer Beteilung der Gläubigen das Richtfest der St. Ludwig-Kirche statt. Anschließend war ein Richtschmaus in der Gaststätte Krusemeyer. Nach dem Richtfest wurde das Kreuz vom Kirchplatz in die Kirche gebracht und an der Stirnwand des Altarraumes angebracht.
[Artikel Nr.219 vom 06.01.2006, Autor mw]