Restaurierung Punkt: Wagner (Datei 273)

1996: Restaurierung des Roten Punktes durch Neuherstellung...

Am Mittwoch, dem 22. Mai 1996, ist der "Rote Punkt" von Rupprecht Geiger neu übergestrichen worden. Die Farbe ist kaum reproduzierbar, geht deutlich ins Pink! Hier die ersten Fotos vom Erstellungstag:

Gegen 11.30 Uhr öffnet Herr Wagner, Geiger-vertrauter Maler aus München, die Plastikfolie, die den restaurierten Punkt bislang verdeckt hatte. Die neue Farbe geht deutlich ins Pink hinein - hier leider nicht richtig wiederzugeben! Vater und Sohn Wagner noch einmal Danke für die schnelle und gute Arbeit - und viele Grüße nach München! Das extra eingekaufte bayerische Bier "mußten" wir nun selbst trinken...

Restaurierung Punkt: Gerüst (Datei 274) Am Nachmittag stellte sich Rupprecht Geiger den Fragen der Ibbenbürener Kunstinteressierten und Gemeindemitglieder. In der alten, erhaltenen Form, hat er die Farbe hineinsprühen lassen, mit der er zur Zeit arbeitet. Sollte auch diese Farbe in vielen Jahren verblaßt sein, so Geiger, könne sie die Pfarrgemeinde selbstverständlich wieder erneuern. Das Geheimnis der Farbzusammenstellung werde er später weitergeben.

Restaurierung Punkt: Geiger (Datei 275) Der 88-jährige Professor Rupprecht Geiger begutachtet sein Kunstwerk, mit dem er provozieren will. Nach der Arbeit fuhr er noch am Mittwochabend weiter nach Braunschweig, wo im Dominikanerkloster zur Zeit eine Retrospektive über ihn läuft.

Die Restaurierung des 25 Jahre alten Roten Punktes ist durch Farbblässe und kleinere Beschädigungen notwendig geworden. Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand hatten vor Monaten entsprechende Beschlüsse gefaßt.



Restaurierung Punkt: weg... (Datei 276) Der Rote Punkt wird neu
Aber es geht um keine harmlose Restauration!

aus: St.Ludwig-Blättchen 3/1996

Bei der Einweihung der frisch renovierten Kirche mit dem neuen Roten Punkt am 8. Mai 1971 predigte Dr. Klockenbusch: "Natürlich ist eine solche Gestaltung ein Wagnis. Sie ist Zeichen von Kühnheit. Sie ist Zumutung für eine Gemeinde. Aber man wird einer Gemeinde immer nur so viel zumuten, wie ihr zugemutet werden kann. Und: Wer auf die Kühnheit und das Wagnis setzt, ist immer auf der Seite des Evangeliums".

Kühnheit Zumutung Wagnis Evangelium

Jetzt, auf den Monat genau 25 Jahre später, wird der Rote Punkt neu gemalt und Pfingsten am 26. Mai 1996 nochmals "eingeweiht". Er ist verblaßt und soll seine alte Leuchtkraft wiederbekommen. Manche Gemeindemitglieder meinen, daß das nicht notwendig sei: "Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt". Gewöhnung aber hat ihre Schattenseiten...

Gewööhnung

Am Anfang der Planungen ging es noch um Restaurierung im engeren Sinne: Wiederherstellung eines früheren, geschichtlichen Zustandes. Bald stellte sich heraus, daß das beim Punkt technisch nicht möglich sein wird: die neue Farbe haftet nicht auf dem alten Grund; das "Ding" muß neu grundiert, weiß übergestrichen werden. Die Form wird sorgfältig abgeklebt werden und bleibt erhalten. Der Inhalt wird anders, neu, von Heute. Das ist eine ungewöhnliche Chance: Bewahrung und Erneuerung, alte Form und neuer Inhalt, Ursprünglichkeit und zeitgemäße Originalität, die Nachgewachsenen erleben etwas von der Stimmung ihrer Eltern. Auf diese Idee hätte man eigentlich schon eher kommen müssen, 25 Jahre sind dafür fast zu lang. Wenn der Rote Punkt schon immer ein Zeichen für "Gemeinde unterwegs" gewesen ist, dann muß er auch selbst wandelbar sein!

Gemeinde + Punkt = unterwegs

Die meisten Leute reden über St.Ludwig intuitiv als die "Gemeinde mit dem Roten Punkt", nicht als die "Kirche mit dem Roten Punkt". Der Rote Punkt ist nicht ein Kunstwerk an sich, sondern steht als Kunstwerk für einen großen Teil der Geschichte unserer Gemeinde. Er kann darum wie diese Geschichte und seine sich wandelnden Menschen nicht statisch, unveränderbar sein. Der Schöpfer des Punktes, Rupprecht Geiger, hat einmal gesagt: "Farbe kann nicht richtig gesehen werden. Wenn wir sie anschauen, ist sie oft nur ein Symbol für eine Stimmung, ein Vermittler für Illusion. Um Farbe wirklich zu sehen, muß man die Augen schließen und an sie denken". Wer als Gemeindemitglied vor dem Roten Punkt steht oder sitzt, erinnert sich an seine Erlebnisse mit Gemeinde. Unter diesem Punkt konnte alles in Freude und Leid gefeiert werden, weil die Gemeinde es so möglich gemacht hat. Und weil sie in ihr den auferstandenen Christus gegenwärtig weiß.

Farbe Symbol Vermittler Christus

Ich lade Sie in diesen "Tagen der Erneuerung" herzlich zu den Gesprächen, Gottesdiensten und Begegnungen ein. Nutzen Sie insbesondere die Möglichkeit, Rupprecht Geiger persönlich kennenzulernen.

Martin Weber, Pastor



25 Jahre Roter Punkt - Jetzt wird er neu hergestellt
Bewahrung und Erneuerung als Herausforderung

(Pfarrbrief "St.Ludwig-Blättchen" Nr. 2/1996)

Am 8.Mai 1971 wurde die frisch renovierte Ludwigskirche wieder eingeweiht. Deutlichstes Symbol der Neugestaltung: Der "Rote Punkt" von Rupprecht Geiger. Nun, 25 Jahre später, wird das "Altarbild" (Geiger) am 22.Mai 1996 restauriert und Pfingsten neu "eingeweiht". Die Restauration ist notwendig, weil die Farbe des Kunstwerks verblaßt ist und zahlreiche Beschädigungen vorhanden sind. Der 88jährige Künstler Prof. Rupprecht Geiger (München) sieht die einzige Möglichkeit der Erhaltung seines Werkes in einer "Neu-Herstellung": Risse in der Wand müssen gespachtelt werden; die neue Farbe haftet nicht dauerhaft auf der schadhaften alten, darum muß eine neue, weiße Grundierung erfolgen. Das bedeutet im Klartext: Der "alte" Punkt muß weiß übergestrichen werden, damit er wieder in neuer Frische entstehen kann. Bewahrung und Erneuerung sind nach einem Vierteljahrhundert Gewöhnung plötzlich wieder auf den Punkt gebracht - vielleicht auch ein provozierendes Bild für unsere Gemeinde!? In der nächsten Ausgabe des "Blättchens" zu Pfingsten werden wir ausführlich darüber berichten, auch über Begegnungsmöglichkeiten mit dem Künstler. Außerdem steht die Renovierung der "Kreuzkapelle" an, die wir möglichst noch zu Pfingsten abgeschlossen haben möchten. Ich habe einige Leute gefragt, was der "Rote Punkt" für sie bedeutet...

Martin Weber

Dorothe Kölker (ehem. Pastoralassistentin): Identifikationssymbol für die Gemeinde. Ich verbinde damit Gemeinschaft, aber auch lebendige Auseinandersetzung: Gemeinschaft von vielen verschiedenen Menschen. Einheit in Vielfalt!

Reinhard Lohmeyer (ev. Pfarrer): Der Rote Punkt ist das unverwechselbare, überregional bekannte Zeichen für St.Ludwig: Die Gemeinde mit dem Roten Punkt! Er sagt ganz positiv etwas über die Identität und Qualität der Gemeinde aus.

Hans-Dieter Mönnighoff (Lehrer,ehem. Zivi): Er erinnert mich an die faszinierende Zeit, als er entstanden ist: die Diskussionen und Nachbarschaftsveranstaltungen, die ehrenamtlichen Ausschachtungsarbeiten für die neue Heizung in der Kirche. Ich habe noch vor Augen, wie der Punkt zu einem Viertel fertig war: einfach toll!

Barbara Bischoff-Heeke (Lagerleiterin): Bernhard Honsel. Und das Buch, das er geschrieben hat: "Der rote Punkt". Als Kind weiß ich nur noch: Auf einmal war das Ding da, und wir waren in aller Munde. Es war toll, dazuzugehören.

Paul-Gerhard Bastert (pens. ev. Pfarrer): Konzentration der Gemeinde auf einen Punkt, auf das Wesentliche. Ein Symbol für Gemeinde und Gemeinschaft. Etwas, das zusammenführt.

Gerd Stallbörger (tätiger Rentner): Ich habe mich damit abgefunden, daß der Rote Punkt da ist. Befürwortet habe ich ihn nie. Aber ich habe mich daran gewöhnt.

Gitta Wolf (vielseitig aktiv): Er gehört für mich einfach dazu. Damit bin ich aufgewachsen. Als Kind habe ich erlebt: die Kirche ist einfach heller und freundlicher geworden. Bei Sonnenuntergängen denke ich immer an unsere Kirche.

Heinrich Beidermühle (Ehrenküster): Ich habe mich jetzt so dran gewöhnt - ich möchte ihn nicht mehr missen, wirklich nicht! Das ist unser Markenzeichen hier in St.Ludwig und das möchten wir auch behalten!

Hermann Hinse (Nachbarpfarrer): St.Ludwig als die aufsehenerregende Gemeinde des Bistums Münster - ähnlich wie in Emmerich Heilig-Geist die Gemeinde mit dem "Schrottkreuz". Ich finde dieses leuchtende, glühende Rot sehr gut: Feuer, Liebe, Heiliger Geist, aufgehende Sonne.

Daniel Jaschinski (Schüler, Gruppenleiter): Symbol der Ludwigkirche. Für mich ist es undenkbar, daß er mal nicht mehr da sein sollte. Er ist ein Teil der Ludwiggemeinde. Sonne, Wärme, Licht, Beziehung.

Bernhard Honsel (ehem. Ludwigspfarrer): Als Erstes verbinde ich damit etwas Architektonisches: Der Rote Punkt zentriert genial durch Farbe und Form die Kirche und gibt ihr eine einmalige Gestalt und Mitte. Als Zweites ist er für mich ein Sinnbild für die aufgehende Sonne und damit für den auferstandenen Christus - das Kern-Symbol. Ein Symbol der ständigen Gegenwart Gottes in der sich versammelden Gemeinde.
[Artikel Nr.175 vom 20.12.2006, Autor mw]