Lernen im Kindergarten

Liebe Eltern,

ein neues Kindergartenjahr hat begonnen. Die Kinder und Erzieherinnen lernen und erleben wieder gemeinsam viele neue Dinge. Sie als Eltern werden sich nun vielleicht fragen: Was lernt mein Kind? Und wie sieht lernen im Kindergarten eigentlich aus?

Lernen 1 (Datei 2761)
Oft verbinden wir Erwachsene „Lernen“ mit Anstrengung und Mühe. Dabei vergessen wir, dass lernen nicht nur mühevolles Denken und Aneignen von Wissen ist, sondern dass wir Menschen von Geburt an lernen. Wir lernen zu essen, wir lernen zu laufen, sprechen, malen, und vieles mehr.

Kinder lernen aus einem inneren Antrieb, mit Neugier und Freude. In jeder unterschiedlichen Altersstufe zeigen Kinder ein bestimmtes Interesse für bestimmte Fähigkeiten und können diese mit Leichtigkeit lernen. Innerhalb der ersten Lebensjahre lernt ein Kind beispielsweise seine gesamte Muttersprache mit seiner komplexen Grammatik, ohne dafür Unterrichtsstunden zu bekommen.

In der Regel wollen Kinder am liebsten alles alleine ausprobieren. Sie wollen selber tätig sein. Wenn wir Erwachsene ihnen jedoch vieles abnehmen, so nehmen wir ihnen die Möglichkeit, selber zu lernen und verhindern eine wichtige Entwicklungsarbeit.

Unsere Hilfe verstehen wir im Kindergartenalltag deshalb darin, den Kindern zu zeigen, wie sie etwas alleine machen können.

Lernen ist am nachhaltigsten, wenn selber etwas getan wird, wenn man aktiv ist.

Wenn Sie, gerade zu Beginn des Kindergartenjahres, durch unsere Einrichtung gehen, so sehen Sie vielleicht manchmal ein Kind, das beispielsweise alleine im Eingangsbereich sitzt. Oder ein Kind sitzt in einem Gruppenraum und schaut aus dem Fenster. Auch wenn dieses Kind passiv wirkt, so ist es doch sehr aktiv und lernt. Es beobachtet vielleicht gerade die Kinder um sich herum und erfasst so, wie bestimmte Abläufe funktionieren und entwickelt dann daraus den Antrieb, die Dinge selber ausprobieren zu wollen.

Die Bildung eines Kindes sollte sich nicht an einem bestimmten Plan, sondern individuell an dem einzelnen Kind orientieren. Lernangebote sollten also nicht auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sein, sondern die Aufmerksamkeit des Kindes wecken und binden. Je mehr unterschiedliche Formen des Lernens in verschiedenster Weise angeboten werden und umso mehr einzelne Sinne angesprochen werden, desto besser wird das Gelernte verankert und langfristig gespeichert.

Bei uns im Kindergarten können sich die Kinder selber aussuchen, womit sie sich beschäftigen, denn mit dem was Kinder lernen wollen, beschäftigen sie sich intensiver und behalten es besser.

Das Kind entscheidet auch, wie lange es sich mit dem Material beschäftigt, denn das Lerntempo bei jedem Kind ist unterschiedlich.

Und wie genau sieht nun das Lernen im Kindergarten aus?

Lernen2 (Datei 2762) Dieses Kind hilft beim Eindecken der Tische

Was lernt es dabei?
Das Kind überlegt, was man für das Mittagessen benötigt.
Brauche ich Gabeln oder Löffel? Tiefe oder flache Teller? Was muss ich decken, falls ein Kind Durst bekommt?
Das Kind lernt also praktische Fähigkeiten des Alltags und die Tischkultur.
Das Kind schaut mit der Erzieherin, wie viele Kinder zum Mittagessen in der Einrichtung sind. Anhand dieser Zahl deckt es den Tisch ein.
Das Kind bekommt also einen Begriff von dem Verhältnis zwischen Zahl und Menge.
Lernen3 (Datei 2763) Bei uns im Kindergarten finden Sie an den Garderobenplätzen Ihrer Kinder nicht die „klassischen“ Zeichen für jedes Kind, wie ein Herz oder ein Baum, sondern den Namen eines jeden Kindes in großen Druckbuchstaben. Auf diese Art und Weise erkennen die Kinder schon sehr früh, das Schriftbild ihres Namens, ohne dass man mit ihnen die Buchstaben trainieren muss.
Lernen4 (Datei 2764) Diese Kinder spielen im Matschbereich. Dafür brauchen sie Regenhose und Gummistiefel. Die Kinder wissen, dass sie für unterschiedliche Aktivitäten im Kindergarten verschiedene Kleidung brauchen. Das Matschen ist eine wichtige Sinneserfahrung für die Kinder. Sie erfahren: Wie fühlt sich Sand an? Was passiert mit dem Sand, wenn er nass wird? Wie hört sich Matsch an, wenn man hineintritt? Und wie hoch spritzt dabei eigentlich das Wasser?
Lernen5 (Datei 2765) Dieser Junge geht die Stelzentreppen auf unserem Außengelände hinauf. Durch diese Form der Bewegung wird der Gleichgewichtssinn angeregt. Weiterhin kann er sich selber und seinen Körper erproben: Wie weit ist es bis zur nächsten Stufe? Schaffe ich es, ohne den Boden zu berühren? Setze ich zuerst den Fuß vor und greife ich zunächst mit der Hand?
Lernen6 (Datei 2766) Unsere Trinkstation ist jederzeit für die Kinder zugänglich, so dass jedes Kind nach seinem individuellem Bedürfnis trinken kann. Das Einschenken des Wassers fördert neben der Selbsttätigkeit des Kindes auch die Auge-Hand-Koordination. Durch das Vergleichen der Kinder untereinander bekommen sie ein Verständnis von Begrifflichkeiten wie „weniger“ und „mehr“.

[Artikel Nr.1545 vom 07.09.2009, Autor vol]