Sete Cidades (Datei 2671)

8. Tag - Fahrt nach Parnaiba: Samstag, 11. Juli 2009



Es ist bereits Sonntag um 10.30 Uhr, und ich sitze am Strand von Luis Correia im Norden von Parnaiba an der Atlantikküste. Wir haben eben die Verabschiedung eines deutschen Priesters hier in der Pfarrkirche erlebt. Nach der Messe ging es wieder zurück zur Hotelanlage – und nun sitze ich unter einem schattigen Palmendach am Strand mit Blick auf das Meer, während die anderen in das warme Wasser gesprungen sind. Es gibt in der Hotelanlage ein gut ausgebautes Netz mit Hotspots, aber der Weg ins Internet funktioniert damit noch nicht. Aber zunächst der Samstag…

Samstagmorgen ging es mehr oder weniger um 8 Uhr los. Da man für drei Nächte nicht so genau weiß, was man alles brauchen könnte, ist es doch der kleinere von den beiden großen Koffern geworden. Mit uns fahren noch sieben weitere Personen. Es begleitet uns noch ein Pickup, der die vielen Koffer gut auf der Gepäckfläche unterbringen kann. Bei unserem Treffpunkt an der Fatima-Kirche gibt uns Tony noch den Reisesegen mit; natürlich bekreuzigt sich unser Fahrer vor der Fahrt…

Am Rande der Stadt geht es zunächst zum Tanken. Später werden wir mitbekommen, dass die Fahrt es Kleinbusses etwa 80 Reais gekostet hat; Diesel kost hier etwa 2 Reais pro Liter (ca. 73 Cent). Die Straßen sind in der Regel gut ausgebaut, lediglich auf der letzten Strecke gibt es einige Löcher, die immer gekonnt umfahren werden. Ich sehe insgesamt zwei tote Kühe am Straßenrand, die zum Leckerbissen für die Geier geworden sind. In Campo Major machen wir unsere erste Rast. Dort habe ich vor 5 Jahren das Dienstmädchen von Tony besucht, die dort zuhause war. Wir werden immer daran erinnert, etwas zu trinken und uns einzucremen. Unser Fahrer hat die alte Angewohnheit, immer zu blinken, wen Gegenverkehr ist; das soll wohl eine Warnung für den nachfolgenden Verkehr sein, ist aber mindestens missverständlich. Es geht durch mehrere Polizeikontrollen, die wir problemlos durchfahren; wahrscheinlich hilft uns auch, dass wir einen öffentlichen Aufdruck auf unserem Wagen haben; da ist für die Polizei nichts zu holen. Außerdem gibt es an einer Kontrollstelle Sicherheitshinweise: keine Drogen, ausgeschlafen sein, kein Alkohol usw. Unsere Frauen versuchen die zwei mitfahrenden jugendlichen Brasilianerinnen Deutsch beizubringen. Angeblich mögen sie das. Mit dem Effekt, dass die beiden in der Mittagspause den Fahrer bitten werden, die Sitze wieder hintereinander zu bauen, damit sie wahrscheinlich mehr unter sich und nicht so sehr gestört werden…

Kurz vor Piripi fängt es an zu regnen. Das ist gut, weil es dann nicht mehr so staubig ist. Nach etwa drei Stunden fahren wir von der Hauptstraße ab Richtung „Sete Cidades“, einem Nationalpark, den ich 1996 nur ganz kurz besichtigen konnte. Ein Führer bringt uns mit dem PKW durch den Naturpark. Die „Sieben Städte“ sind sieben spezielle Felsformationen, die wohl am dem Boden einen frühen Meeres als Versteinerungen übrig geblieben sind.

(Zwischenbemerkung: Inzwischen hat sich die Strandhütte gefüllt, ein zweiter Tisch und mehrere Stühle sind hinzugekommen, ebenso viel Bier. Ich habe den Eindruck, dass ich hier interessanter bin als das ganze Meer und die Sonne. Es ist so eine Unruhe hier, dass ich mich kaum auf den Bericht konzentrieren kann. Vielleicht gehe ich doch in mein klimatisiertes Hotelzimmer zurück…).

Die Versteinerungen haben Namen: die eine sieht wie eine Schildkröte aus, eine andere wie eine Kobra oder wie eine Bibliothek. Auf einen Felsen kann man auf Treppen heraufsteigen und hat eine herrliche Aussicht auf das riesige Reservat. An einem anderen Felsen sind alte Felszeichnungen angebracht. Zum Schluss geht es noch zum Wasserfall. Am Ende der anstrengenden Besichtigung ist das ein erfrischendes Naturschauspiel. Franziska hält es nicht mehr, und sie geht so nah wie möglich an das Wasser heran. Dann geht es zum Mittagessen in ein Restaurant am Rande des Naturreservates. Es gibt wie immer vielfältig und gut zu essen und zu trinken. Bevor ich das obligatorische Bier trinke, leere ich eine Kokosnuss (schmeckt frisch geöffnet einfach fantastisch!). Aufsehen und teilweise auch Schrecken erregt ein Chamäleon, das sich unter die Gäste mischt. Außerdem gibt es fingerzahme Papageien.

Dann geht es weiter Richtung Norden. Wir nehmen eine Abkürzung durch den Park. Später wird sich unser Fahrer verfahren und lässt sich auch nicht von meinen Auskünften durch das Navigationsgerät berichtigen. Wir werden den Umweg später auf GoogleEarth dokumentieren können. Beim Fluss Pirangi machen wir kurz Halt. Nach dem Bruch einen Staudamms am 29. Mai bei den großen Regenfällen bei Cocal durchbrachen die Wassermassen an dieser Stelle die Straße und schnitten Parnaiba tagelang vom Süden ab. Mehrere Menschen starben. Etwa bei der Dämmerung gegen 18 Uhr kommen wir in Parnaiba an, fahren aber weiter an die Küstenstadt Luis Correia, dem eigentlichen Touristenort. Etwas außerhalb und nur durch eine Straße vom eigenen Strand getrennt, kommen wir in einer neuen Hotelanlage (SESC Praia) unter. Die Frauen sind zusammen in einem Appartement untergebracht, ich teile mir eines mit unserem Fahrer Junio.

Nach einem kurzen Bad fahren wir um 20 Uhr wieder etwas zurück in die Stadt. Im Restaurant „Zum Deutschen“ essen wir (allerdings spricht man hier [„noch“ sagt der Chef] kein Wort Deutsch!) alles Mögliche vom Grill: besonders gut schmeckt der gebratene Käse und der angebratene Kohl.

Anschließend geht es noch in die stadtbekannte Eisdiele Araujo (die ich noch von 1999 her kenne), in der es eine super Auswahl an Sorten gibt. Wie wir kurz nach 22 Uhr die Veranda verlassen, wird aber schon alles abgebaut… Auf der Rückfahrt kauft unser Gastgeber noch an der Tankstelle eine Palette Bierdosen für unsere Frauen. Wie ich später hören, müssen die Nachbarn um weitere gebeten werden (nachdem die 12 auf waren…). Ich schlafe wie immer nur stoßweise und unbefriedigend.

Teresinabesuch 2009: 8. Tag





[Artikel Nr.1415 vom 15.07.2009, Autor mw]