Fazenda da Paz (Datei 2668)

7. Tag in Teresina: Freitag, 10. Juli 2009



Es ist jetzt 21.30 Uhr und die Frauen sind gerade zum Samba-Tanz los. Ich habe mir schon gestern für heute Kopfschmerzen genommen… Tony hatte das erst falsch verstanden und wollte mir Ersatz-Programm organisieren. Aber ich bin froh, dass ich jetzt mal wieder für ein paar Stunden alles hier geregelt bekomme! Eben war Beate Hüttl noch hier. Sie ist mal wieder in Teresina und kann uns bei dieser Gelegenheit in der letzten Woche noch beim Übersetzen helfen. Ihren Freund Carlos Eugenio hatten wir schon am Dienstag in der ASA getroffen. Nun ist er auch hier, kann aber nicht mit Beate zu den Anderen zum Samba gehen, da er noch spätabends eine Fortbildung hat. So sind „unsere“ Frauen heute unter sich und freuen sich sicherlich. Ich bin mal gespannt, wie lange sie es aushalten, denn morgen früh geht es für 3 Tage und Nächte nach Parnaiba an die Atlantikküste. Das wird am Samstag zunächst ein anstrengender Tag mit dem Auto! Auch Anna ist zu ihrer Familie nach Parnaiba, ihrer Heimat, kommt aber schon am Montag zurück. Tony hat mir noch schnell Geld getauscht. Wir werden zwar rundherum betreut und verpflegt, aber vielleicht komme ich doch noch mit ein paar Reais dazwischen…

Eigentlich bin ich schon wieder todmüde. Heute habe ich auch etwas viel Farbe bekommen. Heute Morgen waren zunächst Sousano und Rosinha zusammen mit ihrer alten Mutter hier zu Besuch. Sie wohnen um die Ecke, konnten aber gestern nicht mit zur Kirche und Schule kommen. Ich freue mich, dass auch Schwester Irene bald kommt, so sind die Gespräche etwas tiefer. Sousano gehört zu den ersten Besuchern aus Teresina in Ibbenbüren und ist ein feinfühliger, sehr sympathischer Mann.

Unser Fahrer hat inzwischen die Anderen abgeholt. Statt in die städtischen Projekte geht es heute außerplanmäßig aufs Land. Wir fahren etwa 30 Kilometer südwestlich von Teresina und Timon (im Bundesstaat Maranhao) zur Fazenda da Paz (Terra da Esperanza), einem Projekt für Drogensüchtige. Obwohl es nur 30 Kilometer sind, brauchen wir viel Zeit; da ein großer Teil der Strecke nur auf einer rotsandigen Piste zu befahren ist. Es liegt fast am Ende der Welt.

Die 50 Bewohner sind schon in der Kirche versammelt und warten mit einem Lied auf uns (s. Videoclip). Dann werden wir durch die Anlagen geführt. Es gibt hier eine strenge Struktur, aber auch eine neue Groß-Familie. Die Bewohner müssen alle Arbeiten selbst machen. Es gibt eine Schreinerei, eine Autoschlosserei und eine Cajuina-Abteilung (wo der Saft aus der Cajufrucht hergestellt wird – in drei Monaten im Jahr werden 80.000 Flaschen befüllt!). Wir sehen auch viel Schrott: Eine Computerabteilung mit uralten „Geschenken“, die keiner mehr gebrauchen kann; geschenkte Autos und Motorräder, von aus fünf Teilen vielleicht ein funktionierendes entstehen kann. Das Haus lebt aber auch von vielen guten Gaben: So gibt es regelmäßig großzügige Lebensmittelspenden; und die Polizei liefert in Abständen beschlagnahmtes Holz ab, das hier eigentlich unter Schutz steht. Von der Koordinatorin werden wir mittags in ihrem angrenzenden Haus zum Essen eingeladen.

Dann fahren wir wieder über den Parnaiba nach Teresina zurück und bringen erst Schwester Irene nach Alta Vista in ihr Haus. Nächste Woche wollen wir Sie noch einmal dort besuchen, für diese Woche hat sie ihre Dienste sehr gut zu Ende gebracht! Unseren Fahrer überrede ich, dass ich erst nach Tony gebracht werde, bevor die Frauen ihre Besorgungen machen müssen: Post, Bank, Teresina-Shopping!

So, das muss für heute reichen. Jetzt packe ich noch schnell den Rucksack für die nächsten vier Tage, und dann hoffe ich, dass ich einigermaßen schlafen werde. Das fällt mir hier nicht leicht.











Teresinabesuch 2009: 7. Tag



[Artikel Nr.1413 vom 11.07.2009, Autor mw]