Türkinnen malen (Datei 2640)

Türkinnen malen ihre Heimat



"Seit meiner Grundschulzeit habe ich keinen Malstift oder Pinsel mehr in der Hand gehabt", äußerten die türkischen Frauen, die an dem Deutsch-Sprachkursus der Gemeinde St. Ludwig teilnehmen, ihre Bedenken, als Malen auf dem Unterrichtsplan stand.

Zum vorherigen Thema "Dem Frühling auf der Spur" hatten die Teilnehmerinnen Garten- und Balkonpflanzen und die dafür erforderlichen Arbeiten kennengelernt, und sie hatten viele schöne Fotos von Blumen mitgebracht.

Die üppige Pracbt der Farben und Formen weckte den Wunsch, sie doch malen zu können. Kein Problem, malen kann jeder. St. Ludwig spendete Geld für Acrylfarben und Leinwände - und schon ging es los: Malen als Sprachkurs.

Die Kursleiterin Adelheid Backbaus hatte das Thema "Farbrausch" gewählt und die Frauen mit einigen Vorübungen zum Malen gelockt. Sie versuchte, den Frauen die Hand zu lockern und zeigte ihnen ihre eigenen, vornehmlich abstrakt gestalteten Acrylbilder, auch in der Hoffnung, Lust zu Abstraktionen zu wecken. Aber das war den Teilnehmerinnen dann doch noch zu fremd.

Schnell hatten sie ihre eigenen Bilder im Kopf und setzten sie mit viel Elan, Freude und nur anfänglichem Zweifel an ihrem Können in Farbe und Form um. Es entstanden in Farben und Inhalten türkisch anmutende Bilder mit Motiven wie Blumen, zum Beispiel Orchideen und Tulpen, Blumensträußen, dazu Ansichten ihrer Heimatdörfer mit kleinen Häusern, Moscheen, Landschaften, mit Titeln wie "Frühling in der Türkei" , "Weite", "Kostamonu" oder "Tulpen".

Die Tulpe sei die Nationalblume der türkischen Frauen, welche Symbol ist für Reichtum und Wohlstand, heißt es in einer Mitteilung von Adelheid Backhaus. Und sie stehe auch für eine gelungene Integration wegen des problemlosen Weges dieser Blume von der Türkei nach Holland und zu uns.

Türkinnen malen


Um dem Anspruch eines Sprachkurses noch zusätzlich gerecht zu werden, wurden einige Bilder "verdichtet", das heißt, es wurden kleine Gedichte dazu geschrieben. Ein Beispiel: "Meine Heimat Abendsonne in Bogazliyan, Schnee auf den Bergen, kleine Häuser, Rathaus, Moschee - ganz ruhig."

Das Malen habe sehr viel Spaß gemacht, habe den Frauen neue Erfahrungen und interessante Gespräche über Deutschland und die Türkei beschert und nicht zuletzt den Sprachschatz bereichert, heißt es in der Mitteilung.

Die Bilder und Gedichte wollen die Frauen zu einer Ausstellung zum Thema "Heimatgefühle" zusammenstellen und diese im Rahmen des Pfarrfamilienfestes in St. Ludwig, am Fronleichnamsfest, zeigen - auch in Anbetracht des in der Stadt lbbenbüren geplanten "Lokal-Global"Festes, bei deren zahlreichen Veranstaltungen in diesem Jahr das Thema "Türkei" im Mittelpunkt steht.

Ibbenbürener Volkszeitung, 29. Mai 2009


[Artikel Nr.1393 vom 19.08.2009, Autor mw]