Pater Johannes Valero 1997 (Datei 2424)

Allerheiligen 2008: 10. Todestag von Pater Johannes Valero



Vor zehn Jahren starb im Alter von 66 Jahren der Jesuitenpater Johannes Valero, der 31 Jahre lang in der Kirchengemeinde St. Ludwig Urlaubsvertretungen übernommen hatte. Aus diesem Anlass laden die Pfarrer Bernhard Honsel und Martin Weber alle, die sich an ihn erinnern möchten, zu einem Gesprächsabend ins Pfarrzentrum ein: am Allerseelen-Sonntag, dem 2. November, nach der Andacht zum Gedenken an die Toten (18 Uhr).



Pater Johannes Valero 1997 (Datei 2423)



Der Professor für alte Kirchengeschichte war Weihnachten 1967 von Bernhard Honsel gefragt worden, die Vertretungen in den Sommerferien zu übernehmen. Pater Valero sagte später: "Nach langem Suchen habe ich Ibbenbüren auf der Karte gefunden. Wohl klingende Namen wie Teutoburger Wald, Hermannsweg, Aatal haben meine Neugier geweckt und nicht wenig dazu beigetragen, meinem Freund mit einem entschiedenen Ja zu antworten".



In den drei Jahrzehnten seines kontinuierlichen Wirkens konnte der Spanier schon bei Trauungen junger Leute assistieren, die er getauft hatte - und Silberhochzeiten mit Menschen feiern, die er getraut hatte.

Pater Johannes Valero 1968 (Datei 2425)



Pater Johannes Valero bei einer seiner ersten Taufen in der St.-Ludwig-Kirche am 14. Juli 1968 (Ines Possemeyer).

Durch tägliche Fahrradfahrten kannte er das Tecklenburger Land genau. Er freute sich, wenn er wiederholt zum Ballonfahren eingeladen wurde. Sein Neffe in Madrid übermittelte an Allerheiligen 1998 die Todesnachricht mit den Worten: "Jetzt ist er höher als der Heißluftballon, den er so sehr gemocht hat".

Der Theologieprofessor und Leiter einer angesehenen alten Bibliothek von über 550.000 Büchern schätzte es, als Theoretiker die praktische Seite in St. Ludwig als Geistlicher kennenzulernen. "Lebendige Menschen sind für mich wichtiger als jene, die schon der Geschichte angehören".

Die "Geschichte Johannes Valero" am Sonntagabend im Pfarrzentrum St. Ludwig wird gewürzt durch einige Bilder von seinen Tätigkeiten sowie mit spanischem Rotwein von den Anbaugebieten aus den Orten seiner Geburt, seines Wirkens und seines Grabes.




Die E-Mail mit der Todesnachricht kam Allerheiligen-Mittag 1998 aus Madrid von seinem Neffen José:

Thema: Juan Bautista Valero
Datum: 01.11.98 12:46:10 MEZ
From: Po...@arrakis.es (El-Chalet)
To: RoterPunkt@....com (Martin Weber & Bernhard Honsel) Dear Martin:

As you knows, Juan "my uncle", since january ´96, was serious ill.
Today at 3:45 AM, after four days in the hospital, he has die. Now he is
higher than the hot-air ballon, that so much he likes.

For the rest of the day, till tomorrow, he will be on his chapel, in
Comillas University.

Please, pray for him and give notice to all which should be
interested, Thanks you.

José Valero.




IVZ: 2. November 1998 Trauer in der Ludwig-Gemeinde: Pater Valero ist Sonntag gestorben Wie ein Lauffeuer hat sich gestern abend eine traurige Nachricht in der Gemeinde St. Ludwig verbreitet: Pater Juan B. Valero ist tot

IVZ: 3. November 1998 Pater Johannes Valero starb in Madrid Vertretung von St. Ludwig

WN: 3. November 1998 "Jetzt ist er höher als im Heißluftballon" Pater Valero liebte Tecklenburger Land

IVZ/WN: 4. November 1998 Pater Johannes Valero SJ Todesanzeige

IVZ: 4. November 1998 Pater Valero starb in Madrid Vertretung von St. Ludwig

IVZ/WN: 8. Dezember 1998 Pater Johannes Valero SJ Sechswochengedächtnis

IVZ/WN: 23. Oktober 1999 Pater Johannes Valero SJ Erstes Jahresgedächtnis

IVZ: 30. Oktober 2008 Erinnerung an Valero Gesprächsabend im Pfarrheim (St. Ludwig Ibbenbüren)




Grab von Johannes Valero in Villagarcia (Datei 2427) Schon einen Tag nach seinem Tod wurde Johannes Valero im Jesuitenkloster in der Hochebene von Villagarcia beerdigt, nordwestlich seiner Heimatstadt Valladolid im Norden Spaniens.

Valladolid liegt etwa 190 km nordwestlich von Madrid; Villagarcia etwa 90 km nordwestlich von Valladolid in der „Tierra de Campos“. Das Noviziat der Jesuiten dort wurde vor über 400 Jahren gegründet.

Der Sarg von P. Juan Valero ist in eine Seitenwand des Klosterfriedhofes eingelassen: Geboren am 24.06.1932; Ordenseintritt am 26.10.1949; Gestorben am 01.11.1998
Das Grab von Pater Valero (Datei 2429) Das Grab von Pater Johannes Valero




Pfarrer Martin Weber schickte am 1. November ein Fax an das Kloster in Madrid, in dem Pater Johannes Valero gelebt und gearbeitet hatte (Auszüge):

Die Nachricht vom Tod Juans hat uns geschockt!

Wir waren vor zweieinhalb Jahren schon einmal sehr in Sorge um seine Gesundheit! Aber dann schien sich alles zum Guten gewendet zu haben. Während Bernhards und meines Besuches bei Ihnen im letzten Jahr war Juan wieder guter Dinge. In diesem Sommer war er sehr gelöst und zufrieden - weil alle Untersuchungen angeblich so positiv waren. Er konnte aber auch in einer sehr offenen und beeindruckenden, ja abgeklärten Art und Weise über seine Gedanken sprechen, die er sich im Zuge seiner schweren Erkrankung über seinen damals drohenden Tod gemacht hatte. Er sagte: Ich bin bereit. Wenn er über die lang geplante neue Bibliothek sprach, spürte man ein deutliches Zögern, so als ob er sagen wollte: Das wird ein anderer fertigstelIen müssen...

Johannes ist 31 Jahre in St. Ludwig zur Vertretung gewesen. Ich habe ihn erst 1992 kennengelernt. Er war sich damals unsicher, ob der neue Pfarrer ihn noch haben wollte - oder ob wir miteinander klar kommen würden. Immerhin war unsere Beziehung eine andere als die zu Bernhard Honsel, den er seit Studienzeiten kannte.

Wir sind gute Freunde und Vertraute geworden - jedes Jahr ein Stückchen mehr. Ich habe ihn sehr geschätzt. Hier im Urlaub und zur Vertretung war er immer der Bescheidene und Dienstfertige, der es wohl genoß, ein paar Wochen in die zweite oder dritte Reihe gehen zu dürfen. Erst nach meinem Besuch in Madrid und ein paar Tagen als Begleiter eines Teils seiner Arbeit in den Bibliotheken habe ich richtig verstanden, warum er seine Rolle in und damit die treue Verbindung zu Ibbenbüren gerne und stetig übernommen hat. Wir haben hier eine Seite von Johannes kennengelernt, die er auch hatte - aber vielleicht an der Universität nicht immer so zeigen konnte oder wollte.

Jose schrieb mir:
Jetzt ist er höher als der Heißluft-Ballon, den er so gemocht hat.

Es ist ein großer Einschnitt hier in St. Ludwig. Er wird keinen Nachfolger hier haben.

Und Juan? Er wird jetzt dem heiligen Hieronymus sagen, was er alles vergessen und falsch gemacht hat!




Der Bruder von Johannes Valero, Urbano Valero, ebenfalls Jesuit, schickte am 23. November 1998 ein Fax aus dem Generalat der Jesuiten in Rom (Auszüge):

Lieber Martin!

Die Tage verstreichen und ich komme erst jetzt dazu, Dir einige Zeilen zu schreiben, um Dir meine tiefe Dankbarkeit für Deine und der Gemeinde Teilnahme am Tod meines Bruders Juan Bautista auszusprechen. Das war für meine Geschwister und für mich ein großer Trost. Dafür möchten wir Euch von Herzen danken. Wir wußten sehr gut, mit welcher Treue und Ausdauer mein Bruder jedes Jahr seine Reise und seinen Aufenthalt in St. Ludwig vorbereitete, wobei er diesem den Vorzug gab vor anderen möglichen und vielleicht angenehmeren Plänen. So wenigstens war es aus unserer Sicht. Es war ganz deutlich, daß ein großes Stück seines Herzens dort bei Euch war. Deshalb hat es uns bewegt und getröstet, wie Ihr auf seinen Tod reagiert habt, indem Ihr sein Andenken geehrt und für ihn gebetet habt. Vielen Dank dafür!

Die Wunde der Trennung ist noch frisch. Die Schnelligkeit, mit der der Tod kam, obwohl er schon erwartet wurde, hat die Trennng noch schmerzlicher gemacht. Nur das Vertrauen darauf, daß Juan Bautista bei Gott ist, daß er uns aus der Glorie bei Gott begleitet und daß wir wieder mit ihm zusammensein werden, läßt uns die Trennung ertragen und tröstet uns.

Vielen Dank noch einmal für alles. Ich bin sicher, daß St.Ludwig einen neuen Schutzengel im Himmel hat und daß Juan Bautista die Gemeinde weiterhin als "seine" Gemeinde betrachtet und ihr so treu bleibt, wie er es Zeit seines Lebens war.

Herzlich Dein
Urbano Valero, S.J.

Und an Pfarrer Bernhard Honsel schrieb er mit gleichem Datum zusätzlich (Auszüge):

Lieber Bemhard!

Als Ich mich niedersetzte, um diesen Brief zu schreiben, habe ich von neuem die Ansprache gelesen, die Du in St. Ludwig am 7. und 8. November aus Anlaß des Todes meines Bruders Johannes gehalten hast. Ich möchte Dir zusammen mit der Pfarrgemeinde von Herzen danken für diesen Ausdruck Deiner Teilnahme an diesem Tod, der uns so tiefbewegt hat. Ich habe in Deinen Worten eine tiefe Sympathie und Freundschaft mit meinem Bruder verspürt, und ich habe Züge an meinem Bruder entdeckt, die ich selbst in solcher Klarheit vorher nicht gesehen habe. Vielen Dank, Bernhard!

Juan Bautista starb, wie Du weißt, am 1. November um 3.45 Uhr in der Frühe. Sein Tod war, obwohl das Ende sehr schnell kam, in Wirklichkeit nicht so plötzlich, wie die unerwartete Nachricht es erscheinen ließ.

Er hatte darum gebeten, in Villagarcia de Campos, inmitten der kastilischen Hochebene - unserer Heimaterde - begraben zu werden, in einem Haus der Gesellschaft Jesu mit langer Geschichte und großer Bedeutung für uns. Aufgrund der spanischen Gesetze durften wir ihn erst vierundzwanzig Stunden nach seinem Tod überführen. Deshalb brachten wir ihn in die Residenz von Cantoblanco, wo Du bei Eurem Besuch im letzten Jahr warst. Dort bahrten wir ihn auf in einer neuen, sehr schönen Kapelle, die Eusebio, der Superior der Kommunität, in diesem Jahr, gebaut hat. Am Allerheiligentag, gegen Abend, feierten wir die Eucharistie des Festes, in Gegenwart des aufgebahrten Bruders. Es hatten sich viele Jesuiten, einige Freunde und Bekannte und die Schwestern der Kommunität eingefunden, bei denen er 27 Jahre hindurch täglich die Eucharistie gefeiert hatte. Es war sehr tröstend.

Am folgenden Tag um 12 Uhr feierten wir in Villagarcia das Requiem und beerdigten ihn dann. Es waren viele Leute gekommen, die uns viel Zuneigung und Feingefühl entgegenbrachten. Und dort haben wir ihn dann gelassen, auf dem kleinen Friedhof, in der Mitte des Gräberfeldes, in der Hoffuung auf den Tag des Herrn.

Auch am 4. November feierten wir, als es schon Nacht wurde, ein Requiem in der Universitätskirche, zu dem sich viele Kollegen, Studenten, seine Angestellten und andere Freunde und Bekannte versammelten.

Ja, so sind wir zurückgeblieben: traurig und zugleich dankbar, voll Schmerz wegen der Trennung und voll Freude über das, was sein Leben war. Ich finde mich gut wieder in dem Text von Bonhoeffer, den Du mir geschickt hast, und ebenso wie Du fühle auch ich oft, ja eigentlich immer, vor allem am Ende des Tages, seine abwesende Gegenwart. Ich glaube fest, daß mein Bruder lebt, daß wir mit ihm sind und er mit uns und daß er nun erreicht hat, was auch wir zu erreichen hoffen: mit ihm in Gott zu sein.

Nochmals danke ich Dir, lieber Bernhard, in meinem eigenen Namen, aber auch im Namen meiner Geschwister, für Deine so einfühlsame Teilnahme an Johannes Tod, der, obwohl in Wirklichkeit ein Gewinn, in unserem Fühlen jedoch ein schmerzlicher Verlust ist. Das kann nur die Hoffnung heilen.

Ich würde mich freuen, wenn Du auch die Menschen an meinen Gefühlen Anteil nehmen läßt, von denen Du denkst, daß Johannes mit ihnen besonders verbunden war.

Herzlich Dein
Urbano Valero, S.J.


Interview mit Pater Johannes Valero (Datei 2428) Interview mit Johannes Valero in der "Chronik St. Ludwig"




Martin Weber schrieb im "St.-Ludwig-Blättchen" von einem gemeinsamen Besuch mit Bernhard Honsel bei Johannes Valero in Madrid in der Osterwoche 1997 - etwa eineinhalb Jahre vor seinem Tod:

Besuch bei Pater Valero

In der Woche nach Ostern waren Bernhard Honsel und ich zu Besuch bei Pater Juan (Johannes) Valero in Madrid. Ich wollte endlich den lange geplanten „Gegenbesuch“ machen, wo doch Johannes bereits seit fast 30 Jahren im Sommer zur Vertretung nach Ibbenbüren kommt.

Juan Valero ist Professor für Alte Kirchengeschichte an der „Universidad Pontificia Comillas“, die dem Jesuitenorden gehört. Die Universität liegt etwa 20 km nordwestlich vom Zentrum Madrids. In zwei Jahren soll endlich der Anschluß an das U-Bahnnetz der 4-Millionen-Stadt erfolgen; noch liegt der Ort knapp außerhalb des Stadtplans auf einem Hügel.

Überhaupt liegt Madrid überraschenderweise sozusagen zwischen den Bergen, die teilweise über 2.000 Meter hoch sind und noch schneebedeckt in der Ferne lagen, wo wir sonst gute 25 Grad angenehme Wärme hatten.

Johannes Valero ist neben seiner Lehrtätigkeit auch zuständig für die umfangreiche und alte Bibliothek der Universität. Neben dem Hauptgebäude gibt es noch zwei „Außenstellen“ im Stadtzentrum. Jede Woche pendelt Johannes mindestens zwei Mal zwischen diesen Häusern und seinen 16 Mitarbeiter(inne)n hin und her.

In der „Residencia de Profesores“, in der wir ein Gästeappartement hatten, wohnen etwa 20 Priester und Brüder. Die Tagesordnung ist gewöhnungsbedürftig: Spät bis 10 Uhr gibt es das (einfache) Frühstück; nach einer Besinnung in der Hauskapelle ist um 14.15 Uhr Mittagessen als Hauptmahlzeit mit mehreren Gängen; erst um 21.30 Uhr gibt es das (ebenfalls warme) Abendessen. Mittags und Abends steht immer ein Rosewein mit auf dem Tisch...

Es war ein sehr schöner Besuch. Pater Valero geht es nach seiner Operation Ende letzten Jahres wieder sehr gut. Er freut sich schon auf das Wiedersehen im Sommer. Wahrscheinlich wird er den August über in Ibbenbüren sein – dann, wenn ich wieder mit im Ferienlager bin.


[Artikel Nr.1258 vom 22.11.2008, Autor mw u.a.]